Das
Wasserträgerhaus
Aus der SIGNAL-Reihe "ZWISCHEN MELB UND WEIHER",
erschienen im Jahre 1979
Am 10. Februar 1979 berichtete der General-Anzeiger: Abriß-Skandal in der
Clemens-August-Straße. Rokoko-Haus in Poppelsdorf hinterrücks abgebrochen. Gebäude des
kurfürstlichen Wasserträgers - Bauordnungsamt überrascht". Am 12. Februar hieß
es: "Wußte Bauordnungsamt vom Abbruch des Rokoko-Hauses in Poppelsdorf?" In der
Bonner Rundschau lautete es am 12. Februar: "Stop der Spitzhacke" und Herr
Schröder gab einen Kommentar mit dem Titel:"Dieses Haus ist unersetzlich"! Am
13. Februar stand unter der Spalte Lokales in der Bonner Rundschau: "Das letzte
Barockhaus Poppelsdorfs ist gerettet". "Keine Chance mehr für den Abriß. Alle
Fraktionen für die Erhaltung des Barockhauses in Poppelsdorf". Am 14. Februar
veröffentlichte der Ortsbund Poppelsdorf eine Stellungnahme zu der ganzen Aktion im
General-Anzeiger und Herr Panne von der gleichen Zeitung brachte unter dem Titel
"Denkmalschutz" eine Anklage gegen die Stadt Bonn und ihre administrativen
Maßnahmen.
An der Abbruchstelle der beiden Häuschen 11 und 13 in der
Clemens-August-Straße, die jetzt mit Zeltplanen verkleidet ist, hing ein Schild:
"Warum?? erst jetzt, wo es ein Dreckloch ist? Liegt seit 10 Jahren still". Da
der Rat beschloß: "Es wäre unverantwortlich, dieses historische bedeutsame Gebäude
nicht zu erhalten", muß die Stadt nun mit dem Eigentümer sprechen. Uns gibt es die
Gelegenheit, auf die Frage einzugehen. die sicher viele Poppelsdorfer zu dieser Antwort
bewegt: "Warum soviel Aufhebens um dieses kleine Haus?"
Eine Antwort ist diese: Weil das Häuschen auf viele Fragen gut antworten kann. Wir
wissen, wer es als erster bewohnte. Es war der "Churfürst Wasser Träger Peter
Blentz und Ursula Mostart, genand Blentz dessen Hausfrau". Blentz, von dem noch
Nachfahren in Poppelsdorf leben, starb 1769 im Alter von 81 Jahren und wurde in der
Poppelsdorfer Kapelle beigesetzt. Seine Aufgabe bestand darin, den Kurfürsten in Bonn und
Poppelsdorf täglich mit frischem Wasser zu versorgen. Nach Joseph Dietz', des bekannten
Bonner Lokalhistorikers, Angaben, entnahm er das Wasser dem sogenannten
"Riesenborn" (im Oberdorf), der 1829 an Wessel verkauft wurde. 1750 wurde das
Haus Nr. 13 gebaut, das Haus Nr. 11 wahrscheinlich gleichzeitig. Busso von der Dollen hat
Ende 1978 eine intensive Studie zu Poppelsdorf herausgegeben und dabei einiges über die
Häuser berichtet. Er führte den Bericht eines Herrn von Schönebeck an, der 1784
erzählte: "Dieses Dorf (Poppelsdorf) hat viele hübsche Häuser, die ohne Zweifel
unter der vorigen Regierung, wo der Hof sich vielfältig da aufhielt, theils von Personen,
die zu jenem gehörten oder davon lebten, theils vom Fürsten selbst erbauet und nachher
verschenkt worden sind". Herr von der Dollen kombinierte nun, daß die Häuser 13 und
11 (davon der rückwärtige Teil) und die ehemaligen gegenüberliegenden Häuser 6
("Bürgerhaus"), 8 (Blumengeschäft und Schreinerei), 10 (Bäckerei) und auch
noch 18 (im unteren Geschoß) vom Kurfürsten gebaut und dann den Bewohnern
"verkauft" worden sind. Die Häuser waren alle solide in Stein gebaut, wobei
allerdings die Innenwände und Decken teilweise aus Fachwerk bestanden. Die Keller waren
und sind massive Tonnengewölbe aus Ziegelstein. Clemens August wollte auch in der
Umgebung seines Schlosses nicht nur Amtsträger des Hofes wohnen haben, sondern
gleichzeitig auch den Orts
eingang nach Poppelsdorf ganz bewußt gestalten. Der Besucher sollte nicht in ein
Allerweltsdorf kommen, sondern in einen Residenzort.

Noch den Resten der Häuser 11 und 13 sieht man an, daß sie nicht großartig waren, aber
gegenüber den normalen Häusern von damals, man denke an die noch bestehenden kleinen
Häuschen in Kessenich oder Dottendorf, doch eine gewisse Größe hatten. Dazu trugen vor
allem die großen Walmdächer bei, die der Aufnahme eines Mansardgeschosses dienen
konnten. Im oberen Geschoß des Hauses Blentz befand sich eine Nische, darin eine
Madonnenstatue stand. Sie wurde später durch eine neue ersetzt, die aber nicht im
Pfarrhaus ist, wie die Presse erwähnte. Im 19. Jahrhundert, so berichtet Joseph Dietz,
erwarb die katholische Kirchengemeinde das Anwesen, das nach hinten zur Wielstraße hin
einen längeren, schmalen Garten hat. Die Inschrift über der Tür, die bis zur jetzigen
Fassadenänderung (etwa 1962) um ein ovales Medaillon geschrieben war, hatte früher den
Zusatz: "In der Hand Gottes stehet dieses Haus". Dieses Haus ist das letzte aus
der kurfürstlichen Zeit stammende Haus in Poppelsdorf, wenn man einmal vom Schloß (als
Haus) absieht, das außerdem ja sehr zerstört war. So, wie es zur Zeit dasteht, ist es
natürlich verwahrlost. Wiederhergestellt und zwar so, wie es ehedem war, würde es aber
ein Schmuckstück von ganz Poppelsdorf. Jeder Fremde würde stehen bleiben und es
bewundern. Jeder Poppelsdorfer aber wäre stolz "op dat Hüsje". Es wäre ein
echtes aus der Vergangenheit stammendes Zeugnis als Bürgerbau zwischen der Kirche auf dem
Kreuzberg und dem Schloß am Weiher. Für uns wäre es eine Mahnung an unser Herkommen und
zugleich unsere Bekräftigung, auch diese Vergangenheit zu bewältigen. "Das
geschichtliche Poppelsdorf wird der kleine Geist ... nicht vernichten können, und so wird
der Name Poppelsdorf ... bis zu späten Zeiten überleben". Das schrieb der
Kommerzienrat F. Soennecken im Jahre 1907, drei Jahre nach der Eingemeindung der Orte
Poppelsdorf, Kessenich und Endenich. (1979)
Anmerkung der Redaktion: Heute nach der Restaurierung ist das alte Wasserträgerhaus ein Schmuckstück Poppelsdorfs und beherbergt ein Restaurant.
17.03.01 00:16