Als Friedrich Soennecken mit seiner Firma
nach Poppelsdorf kam
Aus der SIGNAL-Reihe "ZWISCHEN MELB UND WEIHER",
erschienen im Jahre 1980
"Poppelsdorfer Schandfleck verschwindet: Pläne für Soennecken-Gelände vorgelegt" lautete die große Spaltenüberschrift des General-Anzeigers vom 19. August dieses Jahres.
Das deutet das unverdiente Ende eines Hauses an, mit dessen Schicksal unser
Ortsteil Poppelsdorf genau 100 Jahre eng verbunden war. Soennecken - Bonn-Poppelsdorf, das
war einmal ein Begriff, der genau so in der Welt genannt wurde wie Poppelsdorfer Schloß oder Poppelsdorfer Allee. Das ist nicht einmal übertrieben, denn Soennecken war ein Name, der in der gesamten angelsächsischen Welt-also in Nordamerika, Kanada, Australien und auch Indien - ebenso bekannt war wie bei uns.
Mit der Produktion von Rundschriftfedern und Rundschriftheften in Remscheid hatte es angefangen. Am 27. Mai 1875 hafte
der junge Friedrich Soennecken dort die Firma F. Soennecken Verlag gegründet, wobei Verlag damals einen Betrieb meinte, der auf eigene Rechnung, mit eigener Ware Handel trieb. Soennecken hatte die Federn entworfen, auch die dazu gehörende Schrift ausgebildet und vervollkommnet. In einer Zeit, wo die Schreibmaschine bereits zum notwendigsten
Ausstattungsgut gehört, kann man nicht mehr ermessen, welchen Wert man damals, bei aufblühender Industrialisierung, auf gute und lesbare Schrift legen mußte. Schönschreiben - die Älteren unter uns wissen es noch ganz genau, gehörte zum absoluten Bestandteil einer jeden Schulart, eines jeden Zeugnisses.
Soennecken kam vor allem wegen der Universität nach Bonn. Hier wollte er Schrift studieren, ihr Wesen und ihre Aufgaben vertiefen.
Am 19. Oktober 1876 wurde die junge Firma in das Handelsregister der Stadt Bonn eingetragen. Seine Geschäftsräume mietete der 28jährige Soennecken zunächst im Hause Reuterstraße 25, und konnte nach wenigen Monaten bereits Reuterstraße 10 und 12 hinzumieten. Die Federn, die nach seinen genauesten Angaben angefertigt wurden, ließ er in England schmieden. Dort fand er das fachlich geschulte Personal für
die Federherstellung. Die Federn wurden drüben in Säcke verpackt und nach Bonn gesandt und hier geprüft -getestet würde man heute sagen Stück für Stück, ehe sie versandt wurden.
Seine Produktion in Bonn begann erst 1877, als er eine Baracke an der Luisenstraße mietete und dort durch einen Schlosser die von ihm erfundene Reisekopierpresse herstellen ließ. Wichtiger aber: er erfand eine Feder,
die "Schulfeder III", die er, präzise durchdacht und erprobt, für den Gebrauch in Schulen bereitstellen ließ.

1883 beschäftigte Soennecken bereits 30 Arbeiterinnen und Packer, zehn Personen im Kontor und einen Reisenden. Im gleichen Jahr erwarb er von der Gemeinde Poppelsdorf das bekannte Gelände zwischen Kirschallee und Jagdweg,
wo 1884 bereits ein dreistöckiger Bau entstand.
Die Produktion umfaßte bald mehr als nur Federn und Hefte. Löschroller, Tintenfässer, die nicht umgestoßen werden konnten, hölzerne an Stelle blecherner Federhalter, Zeichenbretter, Zirkel und Federkästen.
1885 kam der Briefordner hinzu, also das System, nach dem zwei Metallbügel auseinandergeklinkt werden können,
und das exakt auf Bügelabstand gelochte Papier in der Klappe untergebracht und mit einem Druckschieber festgehalten werden kann. Der Soennecken-Ordner, kräftiger Pappehefter mit Metallbügeln und gelochtem Rückendeckel zum handlichen Ein- und Ausordnen aus dem Regal brachte den großen Erfolg.
Der Ordner verlangte entsprechend gebaute Locher, aber auch die rechten Büromöbel zur Aufbewahrung. Eins ergab das andere. 1888 schrieb Friedrich Nietzsche an einen
Freund "- - dies Papier habe ich entdeckt, das erste, auf dem ich schreiben kann. Insgleichen Feder, diese aber aus Deutschland: Soenneckens Rundschriftfeder."
1887 war die Fabrik bereits durch einen Anbau erweitert worden. Am 3. Oktober 1896 wurde ein völlig neues, großes Gebäude (Architekt Otto Penner) eingeweiht. Eigene Lichtmaschinen sorgten für elektrische Beleuchtung aller Räumlichkeiten. Zwei Jahre später, am 19. Februar 1898, folgte ein weiterer Neubau, neben dem bestehenden,
der zur Möbelfabrikation verwendet wurde. 1903/ 1904 wurde die Möbelfabrik Soenneckenfeld fertiggestellt und damit diese Fabrikationsart aus Poppelsdorf abgezogen. In Poppelsdorf verblieb die Schreibwaren-, vor allem Federnfabrikation. Die Federn bezog
Soennecken nun nicht mehr aus England. Er hatte einen genügend großen Stamm von Facharbeitern und Facharbeiterinnen herangebildet, um die Federn selbst herstellen zu können.

Ein Verkaufsschlager, der nie seine Anziehungskraft verlor, war das Ringbuch, zu dem später der Goldfüllfederhalter trat.
1910 erhielt Soennecken auf der Weltausstellung in Brüssel höchste Auszeichnungen. Ein Jahr davor hatte er wieder Neubauten in Poppelsdorf und Soenneckenfeld beginnen lassen können. In Poppelsdorf ist es der Flügel unmittelbar gegenüber der Schreinerei Weiland, Kirschallee (Architekt H. Müller-Erkelenz). Und außerdem konnte er durch den Ankauf der Shannon-Zeiss-Registratur Company in Berlin den dortigen Werkszweig verstärken. Noch
in der Mitte desErsten Weltkrieges gelang es Soennecken, die Federnfabrik Schaper in Iserlohn aufzukaufen.
Hochfliegende Pläne hatte Soennecken auch zu dieser Zeit. So zum Beispiel die Bonner Hafenanlagen vergrößern zu lassen. Als Beigeordneter der Stadt Bonn, als Vorsitzender der Industrie- und Handelskammer Bonn und als Mitglied des Reichsbahnaufsichtsrates hatte er natürlich große Möglichkeiten.
Vielleicht dachte er auch an einen eigenen Eisenbahnanschluß seiner Fabriken in Bonn an diesen Hafen.
Ein Jahr nach seinem siebzigsten Geburtstag, am 2. Juli 1919, starb Friedrich Soennecken. Man kann sagen: Aus Gram. Der Ausgang des Krieges hatte ihm, dem typischer Unternehmer der Gründerzeit, und seiner Gesundheit zugesetzt. Den Ehrendoktor
der Universität Bonn konnte er selbst nicht mehr erleben. Erst im August 1919 wurde der Verstorbene zum Dr. med. h. c. promoviert. Im Werk jedoch war sein Sohn, Dr. ing. Alfred Soennecken, bereits seit 1911 tätig.
Trotz der Nachkriegszeit, der Inflation und der folgenden Jahre des langsamer Aufstiegs - die Firma Soennecken war gemeinsam mit der Firma Wessel das Rückgrat der Wirtschaftskraft von Poppelsdorf. Man sollte das nicht vergessen auch dann nicht, wenn die Zeitungen von dem Schandfleck
der ehemaligen Fabrikgebäude sprechen. Noch stehen die großen Fabrikgebäude, wenn auch wohl z. T. dem Untergang geweiht, noch steht auch die
Soenneckenvilla, nicht weit von der ersten Zelle des Betriebes an der Reuterstraße in Poppelsdorf. Sie zählen in gewissem Sinne zu den historischen Gebäuden Poppelsdorfs. Als sie entstanden, erlebte die damals noch selbständige, bzw. soeben eingemeindete Gemeinde Poppelsdorf Ihre Blütezeit.
Locher
der Firma Soennecken
"Sicherheitsfüllfederhalter" Firma Soennecken
Werbeausschnitt aus Soennecken-Katalog
Musterbuch Federn, Firma Soennecken
diese Fotos finden Sie hier: Poppelsdorfer
Heimatsammlung Stöcker
21.04.01 19:09