Der Poppelsdorfer Bach ließ Fontänen springen
Aus der SIGNAL-Reihe "ZWISCHEN MELB UND WEIHER", erschienen im Jahre 1982

. . . Safran macht den Kuchen gehl

Es ist nicht überliefert, von wem der alte Kinderreim Backe, backe Kuchen erdacht wurde. Da klatschen die Kleinsten rhythmisch in die Hände und singen mit frühkindlichem Stolz von den sieben Sachen, die der kleine Kuchenbäcker haben muss. Selbstzufrieden strahlen sie bei der Schlusszeile: „...Safran macht den Kuchen gehl“. Der Erwachsene erinnert sich wohl meist an diesen Vers, wenn er zu Safran befragt wird. Auf die 500 000-Euro-Frage „Welche Pflanzenteile stellt das Gewürz Safran dar?“ rät man dann vielleicht ungläubig und zweifelnd mit Hilfe eines Jokers „Es sind die Narben des Crocus sativus“.


Wertvoll und bei Feinschmeckern beliebt: die Safranpflanze

Vielfach herrscht Verwunderung darüber, welch kleine Pflanzenteile als Gewürz dienen können und zu Hunderttausenden gesammelt werden. Mühsam geerntet ist Safran das kostbarste Gewürz der Welt. Zeitweise wurde es teurer als Gold gehandelt. Es würzte aber nicht nur die Speisen der antiken Welt, man schätzte es auch als Färbe-, Rausch- und Heilmittel, bevor ihm preiswertere Mittel den Rang abliefen. Mit seinen griechischen (Krokos) und arabischen (Za’faran) Sprachwurzeln ist der Safran hier und heute in der Feinschmeckerküche und bei der alternativen Medizin präsent, und es gibt allein im Iran eine Jahresernte von annähernd 160 Tonnen.

Viel Wissenswertes zur Kulturgeschichte des Safrans trug über viele Jahre Dr. Martin Börnchen, Lehrer des Galilei-Gymnasiums in Hamm/Westfalen mit seinen Leistungskursen zusammen. Teile dieser Ausstellung gingen sogar bis London, und noch bis zum 8. November wird sie im Bibliotheksgebäude der ehemaligen ZBL an der Nußallee 15a in Poppelsdorf zu sehen sein (Rufnummer 73 34 05)

Neben aktuellen Büchern und Veröffentlichungen werden in der Bonner Schau viele botanische Illustrationen zum Thema Safran gezeigt werden. Als ein besonderer Höhepunkt ist die Präsentation selten gezeigter kostbarer Pflanzen- und Kräuterbücher des 16. Jahrhunderts anzukündigen.

Als Veranstalter haben sich die Deutsche Zentralbibliothek für Medizin, die Universitäts- und Landesbibliothek Bonn und der Botanische Garten der Universität Bonn zusammengetan .

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten der Bibliothek jeweils montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Übrigens: Überall dort, wo dem Urlauber heute preiswert eine größere Menge Safran angeboten wird, läuft er Gefahr, auf eine Fälschung hereinzufallen.

 

Zum nachbacken: Safrankuchen

 

aus Johann Georg Krünitz’s oekonomisch-technologische Encyklopaedie. Berlin 1822.

Man nehme ¼ Pfd süße und 2 Loth bittere Mandeln, ½ Loth gepulverten Zimmt, 8 Loth zerstoßenen Zucker, 2 Scrupel Safran, 2 Pfd Butter in den Kuchen und ½ Pfd Butter darueber zu streichen, ¾ Quart Berme, ½ Quart Milch, 6 Eier und 1 Glas doppelten Pomeranzen, ungefähr 1/16 Quart haltend.

Man schütte die Mandeln in einen Topf mit siedendem Wasser, lasse sie etwas aufquellen, nehme sie dann heraus, ziehe die Hülle ab und schneide sie in Würfel. Dann lasse man den Safran in dem Branntwein ausziehen und gießt dann die Tinktur durch ein feines Läppchen, damit man den Safran noch derb auspressen kann. Man rühre nun das Ganze mit seinem trocknen Weizenmehl recht steif zusammen, und lasse den Teig aufgehen. Hierauf mangle man ihn zwei Finger hoch und backe ihn auf einem Kuchenbleche. Wenn er aus dem Ofen kommt, kann man ihn noch mit Safranwasser besprengen und mit Zucker bestreuen. Zu dem Safranwasser nimmt man 30 Gran Safran und 1/8 Quart siedendes Wasser, worin man ihn auflöset. Am besten ist es, wenn man den Zucker, gleich nach dem man den Kuchen mit Safranwasser stark mit einem Borstenpinsel besprengt hat, überstreut, weil er dann die ganze obere Fläche des Kuchens enkrustirt.

 

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22.09.02 21:01