Ohne Feuerwehr fehlt etwas
Aus der SIGNAL-Reihe "ZWISCHEN MELB UND WEIHER", erschienen am 06./07. April 2001

Ohne Feuerwehr fehlt etwas 

Wer genauer hinsieht, stellt fest: Da fehlt doch was. Es ist die Aufschrift „Feuerwehr Poppelsdorf“ über dem Hallentor. Es ist nicht nur die Schrift, es fehlt auch der Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr Poppelsdorf mit seinen Helfern. Er hat sich aufgelöst. Alle Bemühungen, die Gruppe wieder ins Leben zu rufen, waren erfolglos. Klagen und Lamentieren nutzen nicht. Es bleibt die Hoffnung, dass sich irgendwann wieder einmal eine Gruppe findet, die den Gedanken der Bereitschaft für den Nächsten entdeckt und in die Tat umsetzt. Letztlich bringt es Sicherheit, eine Feuerwehr im Ort zu haben. Die wird nun auch bei den Festen und Umzügen fehlen.  

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Die Poppelsdorfer Wehr vor 20 Jahren
 bei einer Übung am Soennecken-Werk


Wie hat es mit der Feuerwehr in Poppelsdorf begonnen? Auf einem alten Briefkopf unserer Wehr, der Brief ist am 17. Juli 1907 an das Oberbürgermeisteramt Bonn gerichtet, finden wir das Gründungsjahr 1877. Allerdings gibt es die Hundertjahrfeier 1976, die wird sogar auf einer Festfahne betätigt. Wie dem auch sei, die hiesige Feuerwehr hat Tradition. 

Aus alten Listen und Protokollen

Diese Tradition ist zum Teil in den altehrwürdigen Protokollbüchern dokumentiert, von denen einige im Haus an der Rehfuesstraße aufbewahrt wurden und nun in der Heimatsammlung verwahrt werden. Darin finden sich alte Listen der Aktiven, ihre Berufe und Stellung innerhalb der Wehr. Und in Protokollen über Versammlungen liest man vom „allseits hochbeliebten Herrn Hauptmann“. Man findet da auch die Einteilungen zur Wache und sogar Parolen für die Kontrollen. Da schmunzelt der Leser, wenn für den 22. Mai 1898 eingetragen ist: „Parole: Et süht mau us!“ An einem anderen Tag heißt es: „Gut Schlauch!“ oder „Es lebe die Wohlthat!"







Eintrag im Wachbuch der Feuerwehr
aus dem Jahre 1898










Tradition hat wohl auch der Kampf ums Überleben des Löschzuges, denn der oben erwähnte Brief stand im Zusammenhang mit dem Ansinnen der Stadt Bonn, die Poppelsdorfer Wehr solle sich mit der Bonner Hauptwache vereinigen. Seitens der Stadt war das verständlich wegen der Stärkung der zentralen Wache, jedoch aus Poppelsdorfer Sicht unannehmbar. Unbedingt wollten man die eigene Feuerwehr im Ort behalten. Aber anscheinend gab es Schikanen und Benachteiligungen aus Bonn. In stürmischen Versammlungen wird aus Poppelsdorf beklagt, die Stadt unterlasse es, im Ort ein Wachlokal einzurichten. Auch fehle es an der pflichtgemäß zustehenden Kleidung und Ausrüstung, zumal die Mitglieder der Wehr meist aus dem Arbeiterstand kämen und nicht über die eigenen Mittel zur Ausstattung verfügten. Ein weiterer Streitpunkt war die generelle Bestätigung durch den Regierungspräsidenten. Die Stadtverwaltung stellte eine solche in Frage, jedoch der damalige Hauptmann Anton Gemein hatte einen Trumpf in der Hand: Der Präsident hätte nachweislich die Poppelsdorfer Wehr bestätigt. Ein anderer Kamerad aus der Gruppe schlug vor, die Poppelsdorfer sollte sich mit den Wehren aus Endenich und Kessenich verbünden um der Stadt Paroli zu bieten.

Erfolge gegen die Stadt

Dieser „Aufstand“ hatte letztlich doch einen Teilerfolg, es wurde auf dem heutigen Schulhof ein Spritzenhaus mit Geräteraum und Wachlokal gebaut. Aus preußischer Sparsamkeit brachte man im gleichen Haus auch den Schuldiener unter. Die Poppelsdorfer traten schließlich doch der Bonner Wehr bei, blieben aber im Ort. Später dann gab es für den Löschzug einen Übungsturm mit Gelegenheit zum Trocknen der Schläuche an der Sternenburgstraße 75, als das Schulhaus vergrößert werden musste. Er wurde 1955 verkauft. 1966 erhielt dann unsere Feuerwehr ihr Gerätehaus an der Rehfuesstraße mit ausreichend Raum für ihr Fahrzeug, die Geräte und die Wehrmänner. Sie waren immer präsent, brauchten Gottlob keine verheerenden Brände zu löschen, waren aber stets zum Einsatz bereit, sei es beim Bau des Spielplatzes an der B 9, sei es bei der Wasserflut 1970, als unter anderem die Clemens-August-Straße einer Wasserwüste glich. Und wer erinnert sich nicht an die Männer unseres Löschzuges bei Umzügen und Feiern, wenn sie halfen, Ordnung zu halten, oder mit ihren Pechfackeln den Martinszug begleiteten?

Heute fehlt nun vor allem das eindrucksvolle Beispiel für unsere Kinder und Jugendlichen, die bei der Wehr sehen und erleben könnten, was es heißt, für den Nächsten da zu sein.

Neue Nutzung für das Haus

Nun wird das ehemalige Feuerwehrhaus neu genutzt: Die Stadt hat mit dem Ortsbund Poppelsdorf einen Vertrag geschlossen: In der früheren Fahrzeughalle werden zukünftig die sperrigen Gegenstände abgestellt, die für Feste und Feiern angeschafft wurden und bislang in angemieteten Garagen untergebracht waren. Im Haus gibt es einen größeren Versammlungsraum, eine Art Büro, Toiletten für Damen und Herren, eine kleine Dusche und einen Küchenraum.

 







Ins aufgegebene Feuerwehrhaus
zieht jetzt der Ortsbund ein.









Jetzt sind Helfer gefragt, die mit anpacken, wenn demnächst Wände und Decken gestrichen werden müssen. Eine Erneuerung der Beleuchtung ist auch nötig. In der Küche fehlen noch Möbel und ein Kühlschrank. Die Tische und Stühle im Versammlungsraum warten auf eine Begutachtung und eventuelle Reparatur oder Ergänzung. Wer mithelfen will, kann sich bei Peter Weingarten, Rufnummer 69 43 18, melden.

Wenn das alles geschehen ist, wird der Ortsbund dieses Haus seinen angeschlossenen Vereinen für Tagungen, Proben und kleine Versammlungen anbieten können.

 

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16.04.01 19:32