Dr. Josef Ruland > 14.Juni 2000
Aus der SIGNAL-Reihe "ZWISCHEN MELB UND WEIHER", erschienen in Ausgabe 4/2000

Forscher und Vermittler Poppelsdorfer Geschichte:
Dr. Josef Ruland verstarb nach schwerer Krankheit

22 Jahre lang ist die SIGNAL-Reihe ZWISCHEN MELB UND WEIHER von den Beiträgen und der Handschrift Dr. Josef Rulands geprägt worden. Die Idee zu dieser Publikationsreihe war 1972 in Gesprächen mit dem verantwortlichen SIGNAL-Redakteur Jan Schmitz aus der Taufe gehoben worden; seit der Ausgabe 3/1973 ist kein SIGNAL erschienen, in dem ein neues Kapitel Poppelsdorfer alte oder neue Geschichte oder mit Geschichten aus Poppelsdorf gefehlt hat. Die "Informationen für Poppelsdorf ` haben dadurch auch vermehrtes Interesse bei den Lesern und Leserinnen gefunden, die mit Dr. Josef Ruland dem Herausgeber des Blatts sonst weniger zu tun haben.

Josef Ruland schöpfte seine Geschichts- und Geschichten-Beiträge aus reichem, fundiertem Wissen, das der passionierte Heimatforscher sich erworben und vertieft hatte. Die Kenntnisse und Erkenntnisse blieben für ihn keine kalte Sachlichkeit. Mit Herz und Gemüt setzte er sie in einprägsame Darlegungen um und schilderte sie in Schrift und Vorträgen mit einer ausdrucksvollen, ebenso schlichten wie bildhaften Sprache.

Seine berufliche Tätigkeit als Studienrat ging im Laufe seines Lebens mehr und mehr in Heimatforschung und -pflege, Landschafts- und Denkmalschutz über. Zwei Jahrzehnte leitete er das Referat Heimatpflege des Landschaftsverbandes Rheinland, war hauptamtlicher Geschäftsführer des Rheinischen Vereins für Denkmalspflege und Landschaftsschutz. Er war gefragt, anerkannt und vielfach geehrt in der ganzen Region von Worms und dem Saarland bis zum Niederrhein, erhielt neben anderen Ehrungen den Rheinlandtaler, den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz und das Bundesverdienstkreuz, wurde Ehrenbürger von Prüm. Mit der Zeit konzentrierte sich sein Interesse immer stärker auf die Poppelsdorfer Geschichte und Gegenwart, in der er sich seit 1935 zu Hause fühlte. Er wurde einer der geistigen Väter des Fördervereins Poppelsdorfer Geschichte und Ehrenmitglied des Ortsbunds.

Seine Heimatliebe entlockte Dr. Ruland gelegentlich auch Kritik, wenn er gegen Missstände und Unverständnis auf diesem Felde anging. Aber seine kritischen Äußerungen blieben stets sachlich und vor allem wohl wollend. Ein Beispiel dafür hat er noch in der jüngsten SIGNAL-Ausgabe gesetzt (Anmerkung der Redaktion: Ausgabe 03/2000), in der er seinem Unmut darüber Ausdruck gab, dass Poppelsdorf zu Unrecht bei den Publikationen und Veranstaltungen zum Clemens-August-Jubiläum übergangen wurde. Josef Rulands Mitarbeit in der SIGNAL- Redaktion beschränkte sich nicht auf Heimatliebe pur und die Artikelreihe ZWISCHEN MELB UND WEIHER. Auch viele andere Beiträge stammten aus seiner Feder. In seinen Artikeln klang auch immer wieder seine tiefe Frömmigkeit an, nicht aufdringlich, eher in Nebensätzen, scheinbar nur Randbemerkung oder zwischen den Zeilen herauszulesen, doch immergeprägt von Festigkeit und klar in der Aussage. Zu seiner Haltung gehörte es, dass er sein Tun und Lassen immer wieder selbstkritisch überdachte. "...Es ist eine gute Zeitspanne, um Bilanz zu ziehen: Was hast du gemacht, wirklich geleistet'? Unter Leistung das verstanden, was sich auch auf die Mitmenschen bezieht, zu deren Nutzen und Frommen. Gar nicht so einfach! - So einige Auszeichnungen, Orden oder wer weiß was dürfen nicht über den wahren Kern hinwegtäuschen. Sich selbst was vormachen, ist billiges Ausweichen. Es gibt ja leider viele Zeitgenossen, die das aus dem Effeff können. Also, wie beschrieben, es beginnt oder ist schon da: die Phase einer echten Bilanzierung..." So schieb er vor Jahresfrist, längst schwer erkrankt, in einem Brief an Dechant Msgr. Gregor Neumann. Am Pfingstmontag, zwei Tage vor seinem Tod und von ihm schon schwergezeichnet, betete er mit seiner Frau noch innig den Gottesdienst im Fernsehen mit.

Im Anschluss an diesen Gottesdienst gab er sich im Gespräch mit Freund Jan Schmitz Gedanken über Inhalt und Gestaltung seines für die nächste SIGNAL-Ausgabe geplanten Beitrags hin. Dabei machte er deutlich, wie sehr ihm die Weiterführung der Reihe ZWISCHEN MELB UND WEIHER am Herzen lag.

Dr. Josef Ruland ist am 14. Juni 2000 verstorben. Die SIGNAL-Redaktion des Pfarrgemeinderates nimmt seinen Wunsch sehr ernst, dass die Reihe Poppelsdorfer Geschichte und Geschichten im Rahmen der "Informationen für Poppelsdorf" fortgesetzt werde. Sie betrachtet diesen Wunsch als Vermächtnis und will ihm gerecht werden in dem Bewusstsein, dass Dr. Josef Ruland überaus viel Dank gebührt und ein anhaltend ehrendes Gedenken in der Trauer um einen geistreichen engagierten Mitarbeiter und guten Freund, der eine schon heute schmerzlich spürbare Lücke hinterlässt.

 

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13.02.01 22:44