Der
Melbbach
Aus der SIGNAL-Reihe "ZWISCHEN MELB UND WEIHER",
erschienen im Jahre 1982
Woher
kommt er und wohin geht er?
Was
verbirgt sich hinter diesem Steckbrief? Seine Gesamtlänge beträgt 4,6
Kilometer, sein Einzugsbereich umfasst 2,68 Quadratkilometer. Seine Abflussmenge
liegt zwischen fünf und 40 Litern pro Sekunde, bei Hochwasser sogar bei 2100
Litern. Er verwendet drei verschiedene Namen. Und seine Gewässergüteklasse
liegt laut städtischem Kartenmaterial bei I bis II.

Der Engelsbach oder Melbbach ist in der
städtischen Gewässerkarte verzeichnet
Hier
ist die Rede vom Poppelsdorfer Bach, der auch Engelsbach und Melbbach heißt. In
den Katastern der Stadt Bonn wird er ausschließlich Engelsbach genannt. Aber
wer hat ihn jemals zu Gesicht bekommen? Deshalb soll an dieser Stelle über ihn
berichtet werden.
Die
bereits erwähnten Daten hat das städtische Planungsamt zur Verfügung
gestellt. Ergänzend wird festgestellt, dass der Poppelsdorfer Bach naturnah
verläuft, das heißt offen und für jeden sichtbar 3,1 Kilometer, vorzugsweise
im Melbtal, unterirdisch - oder wie es im planungsdeutsch heißt verrohrt - 1,5
Kilometer. Und eben letztere Strecke verläuft in Poppelsdorf unter unseren Füßen.
Die Poppelsdorfer übergehen ihn, den Poppelsdorfer Bach, sie treten ihn
gleichsam mit Füßen. Wenn sich der Wissbegierige wie Winnetou lauschend mit
dem Ohr am Erdboden in der Clemens-August-Straße auf das Pflaster legen würde,
könnte er den Bach rauschen hören. In verkehrsarmen Zeiten kann man es sogar
an einer Stelle brausen hören, ohne mit dem Ohr den Boden zu berühren. Das ist
dort, wo es einen so genannten Schieber gibt, der den Zufluss zum Weiher regelt
und den Abfluss weiter ins Rohrnetz. Das ist gegenüber der Eisdiele am
Botanischen Garten, an der Einmündung der Karlrobert-Kreiten-Straße.

Idyllisch: Wo sich heute das Melbbad befindet, drehte sich damals das Rad der
Oberen Mühle am Mühlenteich
Von
dort bekommt der Weiher mit seinen Teichen und Seitenarmen im Botanischen Garten
sein Wasser. Dieser Zufluss wird elektronisch geregelt, damit der Weiher sein
Niveau behält und doch immer wieder etwas frisches neues Wasser bekommt, damit
er nicht ganz zu Grunde geht. Die Verantwortlichen des Botanischen Gartens haben
viel Mühe mit der Erhaltung des ökologischen Gleichgewichtes ihrer Wasserflächen,
denn ein fast stehendes Gewässer ist ständig in Gefahr zu sterben.

Der Schieber zum Weiher an der Karlrobert-Kreiten-Straße
Dank
der Einsicht der Bürger ist es besser geworden, nachdem die übermäßige Fütterung
der Fische und Enten stark zurückgegangen ist. Aber es fehlt dem Wasser
trotzdem oft an Sauerstoff. Dann wächst die Erstickungs-Gefahr. Abhilfe sollten
die seltsamen Apparate schaffen, über die sich manche Besucher schon gewundert
haben. Diese wirbelten an Kabeln geführt im Pendelverkehr das Weiherwasser auf.
Ob es genutzt hat? Vielleicht sollten Studenten einmal eine langsam laufende
Turbine erfinden, die durch Solarenergie getrieben dem Wasser neues Leben
einhaucht, und zwar durch Unterwirbeln von Luft.
Überschüssiges
Wasser fließt in der Nähe der Weiher-Fußgängerbrücke auf der Seite zur
Meckenheimer Allee ab. Würde man dort ein Mini-U-Boot einlassen, gäbe es erst
wieder an der Zweiten Fährgasse beim Einmünden in den Rhein Licht. Unterwegs hätte
das Boot die Königstraße und die Weberstraße unterquert. Diese unterirdische
Wasserstraße läuft neben einem Hauptsammler her in Richtung Rhein. Dabei kommt
diesem Abfluss die Güteklasse des Wassers zugute: Es braucht nicht wie das
allgemeine Abwasser die Kläranlage zu passieren, wie es noch vor zehn Jahren
geschah.

Der Abfluss des Weiher-Wassers
1991
wurde der neue Kanal vorgetrieben, vor allem unter der Clemens-August-Straße.
Dieser neue Kanal wurde so geräumig angelegt, dass er als Stauraum wirken kann.
Damit will man einem erneuten Hochwasser in den Poppelsdorfer Straßen
vorbeugen, so wie es manch einer noch aus dem Jahr 1970 in Erinnerung hat, als
man sich im Ort für Stunden nach Venedig versetzt glaubte und nach einer Gondel
Ausschau hielt. Dieser Entlastungskanal unterläuft die Poppelsdorfer Allee, König-,
Weber-, Nasse-, Lennéstraße und mündet bei der Zweiten Fährgasse in den
Rhein. Früher war das anders.
Nachtrag:
Die
Länge des Poppelsdorfer Baches (die bereits erwähnten 4,6 Kilometer) ist
statistisch gesehen von der Quelle bis zum Weiher gemessen. Der Ursprung des
Baches liegt verstreut in der Gegend der Waldau und besteht aus verschiedenen
kleinen Quellen, die sich dann zu einem Rinnsal und später zum heutigen Bach
zusammenfinden.
Engelsbach,
Melbbach oder Poppelsdorfer Bach: Über die Geschichte dieses Gewässers wird in
der nächsten SIGNAL-Ausgabe (03/2002)
geschrieben.
28.04.02 21:09