Campus
P.
Aus der SIGNAL-Reihe "ZWISCHEN MELB UND WEIHER",
erschienen in Ausgabe 1/2001
Campus P - eine Initiative für Poppelsdorf und die Universität
Was bedeutet eigentlich das Wort "Campus"? In der lateinischen Sprache bezeichnet es zunächst ein Feld. Es kann auch Platz, Übungsplatz oder Versammlungsort meinen. In den angelsächsischen Ländern hat sich dieser Begriff eingebürgert für das Gelände, auf dem ein College oder eine Universität beheimatet ist. Mit diesem Gedankengang kommt man der Bedeutung Campus P schon ganz nahe, wenn man weiß, P steht für Poppelsdorf. Und die geschichtliche und auch räumliche Entwicklung dieses Campus' Poppelsdorf trifft das Gemeinte genau, denn die bei uns in Poppelsdorf angesiedelten Institute und Forschungs-Einrichtungen der Bonner Universität haben praktisch auf freiem Feld begonnen - mit Ausnahme des Schlosses, wo die ersten Institute mit ihren damaligen Professoren ab 1818 einquartiert waren. Alle anderen Gebäude mit ihren Lehr- und Forschungsaufgaben wuchsen auf freiem Feld.
Heute fällt dem Betrachter das nicht mehr auf im dicht besiedelten Stadtteil Poppelsdorf. Und wer kann sich vorstellen, dass auch deshalb unsere Nussallee eigentlich eine Privatstraße ist, denn sie liegt mitten in der Fläche, die der Universität überschrieben wurde und ihr heute noch gehört.
Bedeutung bewusster machen
Der Initiative Campus P geht es darum, die Bedeutung der universitären Einrichtungen für Poppelsdorf und Bonn bewusster zu machen, ihre zum Teil denkmalgeschützte und erhaltenswerte Bausubstanz in den Blick zu heben und auch bauliche und pt7egerische Missstände aufzudecken, denn es gibt leider an einigen Stellen Schandflecke, die zu beseitigen eine Wohltat wäre.
Eine der Kernfragen war: "Wie kann sich der Wissenschaftsstandort Bonn mit seinen Einrichtungen hier - in und um Poppelsdorf - für die Zukunft präsentieren?" Mit dieser und ähnlichen Überlegungen begab sich eine kleine Gruppe der Initiative spontan zum Rektor der Universität und fand in ihm einen sehr aufgeschlossenen Gesprächspartner. Konkreter wurde die Themenliste in einer Konferenz mit dem Direktor des Botanischen Instituts, Prof. Barthlott. Ihm legte der Initiativkreis folgende Vorschläge auf den Tisch:
· Verlegung des Haupteinganges zum Botanischen Garten in den Tordurchgang des ehemaligen Zierhauses, das von der Poppelsdorfer Allee gesehen links vor dem Schloss liegt. Begründung: Ein solch neuer Eingang wird viel besser gefunden. Es lässt sich dort auch ein Informationsstand einrichten, es kann ein Treffpunkt für Führungen sein und es soll dort auch ein Cafe oder Bistro eingerichtet werden.
· Die noch erhaltenen historischen Räume des Schlosses sollen mehr und mehr für die Öffentlichkeit nutzbar werden. Es kann dort ein Tagungs- und Kongresszentrum entstehen, das der Universität und auch anderen Nutzern als repräsentativer Treffpunkt dient.
· Im rückwärtigen Teil des Botanischen Gartens soll ein Bonner Lotus-Haus entstehen, wo die Forschungs- ergebnisse und auch die praktische Anwendung des in Bonn entdeckten Lotus-Effektes dargestellt und erläutert werden. Mit diesen Gedanken traf der Initiativkreis auf volles Verständnis und Zustimmung. Auch Anregungen, die hässlichen Müllcontainer von der Sichtfront des Schlosses zu entfernen, die Parkplätze zu verlegen und den Innenhof wieder mit einem Springbrunnen zu zieren - all das wurde anerkannt und bejaht.
Voraussetzung: Zusammenarbeit
Neue Aspekte öffneten sich, als sich die Gesprächsrunde im Zoologischen Institut traf. Jetzt wurde es konkret, denn es begaben sich zwei Professoren und zwei Leute aus dem Kreis Campus P auf Entdeckungsreise durch Gänge, Treppen und Stiegen bis hinauf in die großen Dachhauben der Vierertürme des ehrwürdigen Schlosses. Es taten sich unter dem Schieferdach lange Gänge auf, es öffneten sich weite Räume unter der Kuppel des Turmdaches. Gut, dass der Fachmann vom Universitäts-Hochbauamt mit wachem Auge dabei war, denn er erkannte: Da kann etwas getan werden. Doch wie immer, wenn es etwas Neues gibt, ist die Zusammenarbeit aller Beteiligten Voraussetzung. Dann kann im Zusammenwirken auf längere Sicht geplant und auch gespart werden.
Doch was ist mit der Finanzierbarkeit? Nun lebt Campus P nicht im Wolkenkuckucksheim, die Mitarbeiter sind Realisten. Deswegen haben sie nach den Vorgesprächen, die im Sommer 2000 stattfanden, eine programmatische Broschüre mit den Zielen und den Möglichkeiten erstellt. Darin äußern sich auch die führenden Köpfe der Universität, der Politik und der beteiligten Initiatoren. In einem Pressemeeting wurde diese Broschüre der Öffentlichkeit im Dezember übergeben. Und bis heute reißen die positiven Signale nicht ab. Die Direktoren der im Schloss beheimateten Institute nehmen Kontakt auf, wie sie die Räume noch intensiver nutzen können, wie sie durch Verlegung von Seminar- und Tagungsräumen dem Schloss eine auch finanziell tragbare Sanierung und noch bessere Auslastung bescheren können, die gleichzeitig der Öffnung und auch der Öffentlichkeit zu Gute kommt. Ermutigung signalisiert auch die Verwaltungsspitze, denn der Kanzler der Uni ist höchst interessiert und hat Mitwirkung zugesagt. Visionen werden nicht verblassen
Das Nahziel bleibt das Schloss und der neue Zugang zum Garten. Doch auch die weiteren Visionen werden nicht verblassen. Dabei möchte der Initiativkreis im Campus mit der Universität gemeinsam nach Lösungen suchen, die Durchlässigkeit im Gelände der Institute zu verbessern, Wege klar zu markieren, Müll- und Abfallplätze zu sanieren, Verkehrswege optimieren. Es soll mit der Zeit nicht nur für die Studierenden ein Campus-Gefühl geweckt werden, es soll auch allen Poppelsdorfern und Bonnern ein Stück Lebensqualität und Verbundenheit mit unserer Uni vermitteln
Zu Campus P gehören Bürger oder Beschäftigte in und um Poppelsdorf. Es sind Professoren, Baufachleute, Handwerker, Politiker, Landschaftsgärtner, Städteplaner, Frauen und Männer, die sich ihre Gedanken um Poppelsdorf machen. Der Kern dieses Kreises stammt aus dem Förderverein Poppelsdorfer Geschichte. Dort denkt man nicht nur über die Vergangenheit unseres Ortes nach, dort wachsen auch Visionen für die Zukunft.
Mitmachen
Jeder kann mitmachen. In Kürze wird der Initiativkreis Campus P als Institution gegründet. Es werden Mitglieder gesucht. Auskunft gibt der Förderverein Poppelsdorfer Geschichte über die Rufnummer 611786 oder beim Besuch in der Heimatsammlung (Mittwoch 9.30 - 11 Uhr; Donnerstag 14.30- 17 Uhr), Sternenburgstr. 23. Information auch beim Architekturbüro Schweitzer, Venusbergweg 33, Telefon 949260.
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Wenn Sie über www.poppelsdorf.de auf Campus P. aufmerksam wurden,
geben Sie dies bitte bei Ihrer Kontaktaufnahme an. Danke! Die Redaktion.
13.02.01 22:44