Unsere Pfarrkirche

Aus dem Kirchenführer 
"St. Sebastian zu Bonn-Poppelsdorf" 
von Gregor Neumann

Ehrendechant Monsignore Gregor Neumann war von 1973 bis 1998  Pfarrer an St. Sebastian.
Geleitwort zur Festschrift am Ende des Textes.

©www.poppelsdorf.de/Redaktion
04.02.01 21:48

Baugeschichte

Von manchen Poppelsdorfern mit liebevollem Spott und heimlichem Stolz "unser Backsteindom" genannt, ist St. Sebastian ein typisches Bauwerk des 19. Jahrhunderts. In ihrem Baustil ist die Kirche weitgehend bestimmt von sog. historistischen Ideen, wie sie in einem Erlaß des Kölner Generalvikars Johann Baudri 1852 ihren Niederschlag gefunden haben.

- So schrieb der geistliche Herr damals:

"Es muß als ein erfreuliches Zeichen der fortschreitenden Bildung unserer Tage im Gebiet der Kunst angesehen werden, daß der Sinn für die alte christliche Kunst mehr und mehr geweckt und dabei das ernste Streben allerwärts sichtbar wird, an die Stelle der unserem Cult wenig entsprechenden oder ganz unangemessenen modernen Kunstbildungen der letzten Jahrhunderte die reine christliche Kunst, wie sie in der Architektur und der Bildnerei des Mittelalters, insbesondere in dem sogenannten gotischen Style, zur höchsten Blüte sich entwickelte, wieder hervortreten zu lassen."

Noch 1912 forderte das Kölner Generalvikariat nachdrücklich:

"Neue Kirchen sind in der Regel nach nur im romanischem oder gotischem bzw. sog. Übergangsstile zu bauen. Für unsere Gegenden empfiehlt sich durchgängig am meisten der gotische Stil." (4)

Die Kirchenbehörde begnügte sich jedoch nicht mit bloßen Empfehlungen, sondern sie wußte ihren Wünschen auch mit exakten Vorschriften, Verboten und der kritischen Prüfung aller Kirchbauentwürfe Nachdruck zu verleihen, so daß der eigenen Kreativität der Architekten enge Grenzen gezogen waren.

 

Planung, Grundsteinlegung, Einweihung

Der Kirchenvorstand der alten Poppelsdorfer Kapellengemeinde unter dem damaligen Kaplan und späteren Pfarrer Theodor Hubert Hürth hatte sich für die Baupläne des von seiner Bautätigkeit im Bonner Raum schon bekannten Architekten Franz Langenberg (geb. am 29. 11. 1842) entschieden. Als Schüler des angesehenen Architekten des Historismus, Heinrich Wiethase, war Langenberg ein überzeugter "Neugotiker", dessen Plan für die neue Kirche in Poppelsdorf auch bei der kirchlichen Behörde Gefallen finden mußte.

Eine kleine Kapelle, ein Steinbau von 1812 mit 80 qm innerer Fläche auf dem heutigen Poppelsdorfer Platz, der den ursprünglichen Fachwerkbau von 1687 ersetzt hatte, reichte schon lange nicht mehr für die wachsende Gemeinde aus, so daß schon seit der Gründung eines Kirchbauvereins am 2. 11. 1863 durch den Kaplan Franz Anton Weiser in der Gemeinde unermüdlich mit Monatsbeiträgen von mindestens 5 Pfennigen gesammelt wurde, was aber immerhin bis 1899 die Summe von 58 990,17 Mark (Goldmark) erbrachte. Schon am 5. 10. 1881 hatte der Kirchbauverein das heutige Kirchengrundstück für 20656,95 Mark erwerben können und den Kirchenvorstand mit einer Bereitstellung von weiteren 15 000,- Mark ermutigt, am 7. 11. 1887 den Neubau der Kirche zu beschließen.

Der Bauplan des Architekten Franz Langenberg mit einem Kostenanschlag von 73000,--Mark bei 840 qm Baufläche für einen ersten Bauabschnitt, dem erst später die erweiterte Vollendung folgen sollte, wurde am 16. 6. 1888 genehmigt. Zunächst sollten nur Chor und ein Teil des Langschiffes der Kirche verwirklicht werden. Die feierliche Grundsteinlegung erfolgte am 23. 9. 1888, nachdem schon sämtliche Fundamente bis Sockelhöhe fertig standen. Im Laufe des Jahres 1889 wurden die Mauern vollendet, der Dachstuhl errichtet und ein Dachreiter zur Übernahme der drei kleinen Kapellenglocken in der Mitte der Vierung aufgesetzt. 1890 erfolgte die Einziehung der Gewölbe und der Innenausbau, so daß die Einsegnung der neuen Kirche schon am 28. 9. 1890 vorgenommen werden konnte, während die feierliche Konsekration erst am 16. 9. 1896 durch den damaligen Weihbischof und späteren Erzbischof von Köln, Antonius Fischer, vorgenommen wurde.

 

Erweiterung und Vollendung

Leider konnte Franz Langenberg, der am 18. 2. 1895 im Alter von 53 Jahren starb, den Kirchbau nicht selbst erweitern und vollenden.

Ein Vergleich der heutigen äußeren Gestalt unserer Kirche mit der Planskizze Langenbergs läßt unschwer viele architektonische Änderungen bei der späteren Erweiterung gegenüber dem ursprünglichen Plan erkennen.

Um die Jahrhundertwende finanziell offensichtlich wieder zu Kräften gekommen, entschließt sich der Kirchenvorstand unter Pfarrer Anton Pattoni in einer Sitzung am 13. 6. 1904 endgültig, dem Regierungsbaumeister Heinrich Krings aus Köln den weiteren Ausbau der Kirche zu einer Bausumme von 110.000,-- Mark zu übertragen.

Seine Skizze, die eine Erweiterung der Kirche um nur ein Joch und eine Doppelturmanlage mit einem großen und kleinen Turm vorsah, fand den besonderen Gefallen der Baukommission der Gemeinde, so daß wir dieser Kommission neben dem neuen Architekten die zweifelsohne gegenüber dem von Langenberg erstellten Baukörper zu wuchtig erscheinende Turmpartie verdanken.

In einem Erläuterungsbericht zu seinem Erweiterungsbau vom 15. 6. 1904 begründet Krings seine Konzeption mit dem Wunsch der Gemeinde nach einem großen Geläut, einer geräumigen Orgelempore und einem Proberaum für den Kirchenchor, der durch den Kapitelsaal neben der Orgelbühne geschaffen wurde. Seine Bauskizze schließe sich "nothgedrungen (!) an die bisherigen Formen an, die in der Backsteingotik der hannoverschen Schule des vorigen Jahrhunderts durchgeführt sind, wobei eine den rheinischen Verhältnissen mehr angepaßte Detailbildung Platz greifen soll".

Leider verraten uns keine Unterlagen, was Krings mit "angepaßter Detailbildung" genau meinte. Es fehlte allerdings auch damals schon nicht an Bedenken gegen seine Erweiterungspläne, die am 16. 2. 1906 von einem noch im Pfarrarchiv aufbewahrten Gutachten durch einen Herrn Vosen vorgebracht wurden, in dem es u. a. heißt: "Die an den Glockenturm angebrachten Fialen gehören nicht hierher, ebenso die weit ausladenden Strebepfeiler. Ganz besonders aber ist es der unschöne Helm des Glockenturmes, welcher fremdartig in die Erscheinung tritt und im Widerspruch mit den Architekturformen des vorhandenen Baues steht. Auch die Formgebung des Treppenturmes ist nicht schön."

Der Kirchenvorstand hielt jedoch an den Plänen von Krings fest, der sich mit dem Bau von St. Matthias in Neuwied schon einen Namen gemacht hatte. Krings gehörte auch offenbar schon einer neuen Architektengeneration an, die die in den 90er Jahren sich ankündigende Abwendung vom Historismus spürte, und suchte wohl bewußt nach der Manier des späten Historismus Formelemente und Details unterschiedlicher Herkunft und Qualität zu einer neuen Stileinheit zu verbinden. Dazu paßt auch die reichliche Verwendung von Bruchsteinen am ursprünglich nur im Backstein konzipierten Bau, von Tuffgestein, echten Säulen und im Detail gestalteten Kapitellen, während Langenberg schlichte Backsteinsäulen mit Terracottakapitellen errichtet hatte.

Besonders auffällig ist auch die reiche Gestaltung des dreigliedrigen Hauptportals, wo in den beiden Säulenkapitellen rechts ein alttestamentlicher und links ein neutestamentlicher Symbolzyklus eingearbeitet sind, leider heute etwas verwittert. Es fehlen auch nicht der Engel und der Teufel wie bei mittelalterlichen Portalen, was darauf schließen läßt, wie sehr Krings bei allem Bemühen, sich vom reinen Neogotiker Langenberg abzusetzen und dem Anbau seinen eigenen Akzent zu geben, doch noch in den Schuhen des Historismus, wenn auch des Späthistorismus, steckte. Die Seitenportale verschwinden heute hinter dem zu massiven Vorbau der ehemaligen Taufkapelle, bzw. dem Anbau der Hochkapelle. Die verwitterten Fresken im jeweiligen Tympanon, am südlichen Seitenportal , Jakob und die Himmelsleiter", am nördlichen "Mose unter dem brennenden Dornbusch", werden seit 1931 durch Mosaike von Otto Wiegmann aus Düsseldorf ersetzt. Dargestellt sind einmal "Der gute Hirt" nach einem Motiv aus dem Mausoleum der Galla Placidia in Ravenna, zum anderen die Augustinussentenz: "Zu Dir, Herr, schufst Du uns, und ruhlos ist unser Herz, bis es ruht in Dir."

Krings und sein architektonisches Werk aber sollte fairerweise nicht an seiner Kirchenerweiterung in Poppelsdorf, sondern an seinen Gesamtbauten gemessen werden. Seine Erweiterung unserer Kirche könnte aber vielleicht für den Kunsthistoriker insofern interessant sein, als sie die Bewegung erkennen läßt, die sich in wenigen Jahrzehnten im Historismus vollzogen hat und die einen Architekten wie Krings eine bessere Formanpassung an den Baukörper Langenbergs nur noch "nothgedrungen" vollziehen bzw. nicht vollziehen ließ, was offensichtlich weniger an seinem Können als seinem Wollen lag.

Die Notwendigkeit der damaligen Erweiterung der Kirche konnte der Kirchenvorstand mit der Bevölkerungszunahme in Poppelsdorf begründen. Ergab die amtliche Volkszählung im Jahre 1890 noch 4117 Katholiken in Poppelsdorf, so betrug die Katholikenzahl nach der Volkszählung im Jahre 1905 schon 7247. So konnte die öffentliche "Ausschreibung für den Erweiterungs- und Turmbau an der kath. Pfarrkirche zu Bonn-Poppelsdorf" am 6. 8. 1908 durchgeführt werden.(1)

 



Glocken

Die Tatsache, daß die Gemeinde im gleichen Jahr an die Anschaffung neuer und schwerer Glocken denken konnte, läßt auf ihre gebesserte Finanzsituation rückschließen, was sich auch im kostspieligeren Material für den Erweiterungsbau, u. a. auch in den echten Granitsäulen in der Eingangshalle und vor der Marienkapelle im Innern der Kirche bis heute ausdrückt. Die Bauarbeiten gingen schnell voran und konnten schon im Jahre 1909 so gut wie vollendet werden. Jedenfalls läuteten zum Weihnachtsfest des Jahres 1909 zum ersten Mal festlich vier neue Glocken im neuerrichteten Glockenturm in den Tönen H, d, e, fis zu einem Gesamtgewicht von 136 Zentnern, hergestellt vom Glockengießer F. Otto aus Hemelingen/Bremen. Die größte Glocke, die Sebastianusglocke, ist leider ein Opfer des Zweiten Weltkrieges geblieben.

Heute ist unser Geläut lediglich auf drei Glocken reduziert und das dank der Fügung, daß die kleinste Glocke der Gemeinde auch während des Krieges verblieb und die beiden anderen Glocken einer Einschmelzung entgingen und nach dem Krieg wieder zurückkehrten. Es handelt sich um folgende Glocken:

- die Marienglocke auf den Ton d (ca. 40 Ztr.) mit der Aufschrift:

MARIA BIN ICH GENANNT

 ALS MUTTER DER GNADEN BEKANNT 

ZUM SOHNE FÜHR ICH EUCH HIN

 IN NOT EUCH SCHIRMERIN

 

- die Josephsglocke auf den Ton e (ca. 29 Ztr.), geziert mit dem Spruch:

SANKT JOSEPHS NAMEN TRAG ICH 

ZUM DIENSTE GOTTES RUF ICH 

IM LEBEN EUCH BESCHÜTZ ICH 

IM TODE EUCH BEKLAG ICH 

 

- die Antoniusglocke auf den Ton fis (ca. 20 Ztr.), die auch die Stunden anschlägt und den Angelus läutet mit der Inschrift:

ICH ANTON MACHE KUND 

MIT EHERNEM MUND 

DER CHRISTEN PFLICHT STUND 

DEM VOLK IN DER RUND 

Alle Glocken haben eine Legierung von 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn.

 

Wandlungen in der Innengestaltung

Die Poppelsdorfer Katholiken, die immer wieder zu Opfern für ihre Kirche bereit gewesen waren, waren stolz auf das erweiterte Bauwerk und taten alles zur Ausstattung ihres Gotteshauses. Bald erschien ihnen die Kirche innen zu rot, was am 17. 7. 1914 zu dem Entschluß führte, die schönen Backsteinsäulen im Bauteil Langenbergs mit einer Art Muschelkalküberzug zu versehen, bevor die Kirche noch im gleichen Jahr sehr bunt und zum Teil in Kassetten- art ausgemalt wurde. Von da ab blieb die Innengestaltung kaum von den wechselnden Geschmackstrends verschont, die sich aber ganz besonders nach dem Zweiten Weltkrieg zeigten und zunächst zu einem stufenweisen Abbau des alten Hochaltares führten. Ein schönes Triumphkreuz hoch in der Apsis verschwand im Kapitelsaal, die Kanzel wurde entfernt und das ganze Gotteshaus ungeachtet seiner durch Backsteinelemente und Triphorien vorgegebenen architektonischen Innenstruktur uni gestrichen, wobei nur Säulen und Pfeiler grau abgesetzt wurden.

Die durch die Liturgiekonstitution des II. Vatikanischen Konzils ausgelöste Bewegung führte zu weiteren Veränderungen im Chorraum. Hatte Pfarrer Hans Stöcker es noch beim unigrauen Anstrich, dem stufenweisen Abbau des Altaraufbaus und der Entfernung der Kanzel belassen, so drängte die Gemeinde nach dem Konzil seinen Nachfolger Pfarrer Antonius Schulten zu einem Altarprovisorium, das vom alten Hochaltar nur noch die steinerne Mensa beließ mit der Möglichkeit, dem Volk zugewandt zu zelebrieren, mit einem vom Altar losgelösten Tabernakel, das auf einem Eisengestell hoch über dem Kopf des Zelebranten schwebte ein Provisorium, das nach Ablösung schrie, als Pfarrer Gregor Neumann am 2. 10. 1973 zum neuen Pastor der St. Sebastianusgemeinde ernannt wurde.

 

Restaurierung

Eine gründliche Restaurierung der Kirche war längst überfällig, vor allem zur Substanzerhaltung des Kirchengebäudes, an dem doch der Zahn der Zeit mächtig genagt hatte, wenn auch das Bauwerk selbst relativ heil die Stürme des Zweiten Weltkrieges überstanden hatte. Das Erzbistum gab grünes Licht zur Restaurierung mit der Genehmigung am 1.10.1975. Bevor an die Renovierung des Innern zu denken war, mußte das ganze Gebäude total neu isoliert und das Mauerwerk neu ausgefugt werden. Dann war ein neuer Dachstuhl fällig, diesmal mit Schieferbedeckung, da die Untersuchung des Statikers ergab, daß das alte, mit Dachpfannen gedeckte Dach, unterdimensioniert konstruiert war und nicht mehr den geltenden Sicherheitsbestimmungen entsprach. Bei dieser Gelegenheit bekamen auch die Gewölbe eine verstärkende Wärmedämmung.

Auf eine Neuinstallierung des zierlichen Dachreiters über der Vierung wurde bewußt aus Kostengründen verzichtet. Der alte, 15 m hohe Dachreiter hatte durch Kriegseinwirkung so gelitten, daß er im Jahre 1952 wegen Baufälligkeit abgetragen werden mußte. Zudem diente das spitze Türmchen ohnehin keinem konkreten Zweck mehr, da schon mit der Anschaffung der neuen Glocken die drei Kapellenglöckchen im Dachreiter zur Einschmelzung eingetauscht worden waren.

Die Kirchturmrestaurierung, die sich als besonders kostspielig erweisen sollte, wurde zunächst für einen letzten Bauabschnitt zurückgestellt, um der Gemeinde möglichst schnell wieder einen würdigen Gottesdienstraum zu schaffen.

Die einzige Erweiterung erfuhr der Kirchbau nur durch den Anbau eines kleinen Treppenhauses an der Sakristei, im Stil ganz der ursprünglichen Bauweise angepaßt, als Ablösung einer engen Wendeltreppe.

 

Raum für die neue Liturgie

Der Zeitpunkt der Restaurierung war spät, aber gewiß für die Qualität der Renovierung günstig.

Inzwischen hatte ein Umdenkungsprozeß auch Kunstexperten gegenüber den lange verachteten Stilformen des Historismus - ohne den z. B. baugeschichtlich die Vollendung des Kölner Domes kaum möglich gewesen wäre - freundlicher gestimmt.

Plötzlich schien wieder erhaltenswert, was wenige Jahre zuvor noch vielfach unbesehen entrümpelt wurde. Glücklicherweise fand sich auf Speichern und im Keller vieles wieder, was in St. Sebastian inzwischen demontiert war, so daß es für die Neugestaltung des Inneren eingeplant werden konnte. Hinzu kam, daß die neue Liturgie sich gefestigt hatte und schon einfühlsamere architektonische Verwirklichungen als im Anfangsstadium gesucht wurden. Die Zeit, aus einem Bauwerk des 19. Jahrhunderts durch Umbau unbedingt einen modernen Kirchenraum zu schaffen, wie es zwischenzeitlich schon Architektenentwürfe vorsahen, war vorbei. Zudem war das Verständnis, das Überkommene zu erhalten und auf die neue Liturgie hin dem Baustil entsprechend neu zu gestalten, in der Gemeinde und ihren Entscheidungsgremien so gewachsen, daß die nach intensiven Vorüberlegungen mit dem Pfarrer vom Architekten Kurt Kleefisch aus Bonn entworfenen Renovierungspläne ein allgemein zustimmendes Echo in der Gemeinde fanden.

Das Resultat der Verwirklichung dieser Pläne empfängt uns, wenn wir heute unser Gotteshaus betreten, und spricht für die Sensibilität eines modernen Architekten, ein Bauwerk des 19. Jahrhunderts möglichst stilgerecht zu renovieren.

 

Raum und Ausstattung

Vorhalle

Beim Eintritt durch das Hauptportal der Kirche nimmt zunächst ein großes Entree den Besucher auf, dem hinter den Glastüren auch bei sonst außerhalb der Gottesdienstzeiten verschlossener Kirche ein Blick in das Innere und die stille Anbetung ermöglicht ist.

Kirchenraum

Der große dreischiffige Kirchenraum mit zwei kleinen Apsiden neben der großen Altarapsis spiegelt erst heute Langenbergs innenarchitektonische Konzeption wider.

 

 

Innenansicht 1982

 

 

 

 


Mittelschiff

Das Mittelschiff hat bei der Renovierung zum ersten Mal dadurch einen geschlossenen Charakter erhalten, daß die Innenarchitektur des später angebauten letzten Joches der Wandaufgliederung, die durch Langenberg vorgegeben war, durch Ergänzung der Triphorien so angeglichen werden konnte, daß der Betrachter heute kaum noch einen stilistischen Bruch entdeckt. Vor allem wurde die alte Backsteinstruktur mit viel Arbeit und Mühe mit einem Heißwasser-Sandstrahlverfahren wieder freigelegt. Der neue helle Anstrich ist - nur die Backsteinstruktur begleitend und unterstreichend - bewußt schlicht gehalten.

Im Mittelschiff beherrschen mächtige Säulen den Kirchenraum, die bei der letzten Renovierung mit einer Granitimitation aus einer kunstvollen Gips- und Farbmischung mühsam überzogen und mit dem feinen Schliff versehen wurden, so daß sich die Säulen heute farblich den echten Granitsäulen aus der Vorhalle und der Hochkapelle angleichen, die beide zum Erweiterungsbau gehören.

Seitenschiffe

In den beiden Seitenschiffen mit jeweils vier Jochen - wie üblich niedriger gehalten als das Mittelschiff - findet die Form des dort verwendeten, in die Höhe zielenden Strebewerks seine harmonische Fortsetzung.

 

Altarraum

Kreuzigungsgruppe

Eine wuchtige Kreuzigungsgruppe hinter dem Hochaltar bannt zunächst den Blick des Betrachters. Es handelt sich um die freie Nachbildung der kunsthistorisch berühmten Triumphkreuzigungsgruppe aus der Wechselburger Stiftskirche in Sachsen. Sie wurde 1876 von Nikolaus Elscheidt, einem aus der Eifel stammenden Naturtalent in der Schnitzkunst, für St. Maria im Kapitol in Köln aus Pappelholz hergestellt. Im Kriegsjahr 1942 konnte Pfarrer Hans Stöcker die Kreuzigungsgruppe gegen eine Anerkennungsgebühr von 1000,-- RM für die Gemeinde erwerben.

Das Original ist kunsthistorisch von hoher Bedeutung. Stellt es doch den Übergang vom romanischen Vier-Nagel-Typus zum gotischen Drei-Nagel-Typus dar. Das bedeutet: Zum ersten Mal wird beim Wechselburger Kreuz in der darstellenden Kunst die Annagelung der Füße des Gekreuzigten mit einem einzigen Nagel gezeigt, was eine S-förmige Biegung des Körpers und damit seinen "hängenden" Eindruck zur Folge hat gegenüber der "stehenden" Haltung des Gekreuzigten in romanischen Darstellungen. Zum ersten Mal erscheint auch in dem Wechselburger Kunstwerk die Dornenkrone statt einer Königskrone, so daß mit dieser Kreuzigung quasi die für die Gotik typischen Leidensdarstellungen ihren Ausgang nehmen.

Der Kruzifixus allein wiegt fünf Zentner und die Standfiguren Maria und Johannes je vier Zentner. Obgleich die Gruppe von Elscheidt in Originalgröße hergestellt wurde, ist sie keine "wörtliche" Kopie. "Ein Vergleich mit dem 1215 entstandenen Vorbild zeigt die Übersteigerung einer auf Frontalität berechneten Statuarik", urteilt Peter Bloch (2). Dabei hat Elscheidt aus der Wechselburger Triumphkreuzigungsgruppe nur die drei Hauptfiguren kopiert und damit das ursprüngliche ikonographische Programm der Monumentalplastik, wie es dem fortgeschrittenen Stadium des Historismus entsprach, auf ein einfaches theologisches Bezugskonzept reduziert. Wenn heute im oberen Dreipaß unseres neuen Kreuzbalkens eine aufgemalte Hand Gottes und eine Taube dargestellt sind, soll damit wenigstens die Trinitätstheologie, die u. a. das Gesamtoriginalwerk in Wechselburg ausdrückt, angedeutet werden.

Vergeblich hatte schon Pfarrer Stöcker eine befriedigende Aufstellung versucht, die aber an der Größe der Gruppe scheiterte, zumal in der Vorkonzilszeit noch die Bindung des Tabernakels an den Hochaltar vorgeschrieben war. Unter Pfarrer Schulten installierte man dann die riesige Gruppe an die Rückwand des rechten Seitenschiffes, wo sie besonders unschön und wie abgestellt wirkte. Die Kreuzigungsgruppe hat erst nach der jüngsten Renovierung ihre endgültige Aufstellung in der Chorapsis gefunden.

Hauptaltar 

Der heutige Hauptaltar unserer Kirche, die als Pfarrpatron einem Märtyrer, dem Hl. Sebastian, geweiht ist, birgt Reliquien des Kölner Märtyrerbischofs Agilolphus, der im Sinne der bonifatianischen Reform wirkte und 752 starb. Die Reliquien stammen aus der Mensa des alten, im Zuge der Renovierung endgültig abgebrochenen Hochaltars und wurden am 21. 1. 1979, am Fest des heiligen Sebastian, anläßlich der Konsekration des jetzigen Hauptaltares

in die neue Altarmensa durch Weihbischof Dr. Josef Plöger eingefügt. Am Hauptaltar aber ist nur die Mensa neu. Sonst wurde der Altar aus zwei Marmoraltären, die vorher an den Rändern des Querschiffes standen, zusammengefügt, was die unterschiedliche Gestaltung der Vorder- und Rückseite erklärt.

In die neue Stufenanlage vor dem Hauptaltar wurden die Seitenapsiden mit einbezogen, so daß sie heute dem ganzen Querschiff der in Kreuzform angelegten Kirche vorgelagert ist.



                                
                                                                                                Hauptaltar bei der Altarweihe am 21.01.1979

Ambonen und Chorgestühl

Kostbar, wenn auch nicht sehr alt, sind die Ambonen und das Chorgestühl im Altarraum. Sie wurden 1925/26 in der Abtei Maria Laach vom Benediktinerbruder Radbod Commandeur (+ 1955) auf Inspiration des Abtes Ildefons Herwegen für die Abteikirche geschaffen, wo sie aber im Zuge einer Neugestaltung des Chorraumes 1956 wieder entfernt wurden. 1958 erhielt Pfarrer Stöcker die Stücke als Geschenk vom Abt DDr. Basilius Ebel und installierte sie provisorisch in unserer Kirche. Im Zuge der neuen Restaurierung wurden die Ambonen in die jetzigen Proportionen beschnitten und mit den aus den Schrankenstücken konstruierten Chorgestühlen unter Ergänzung fehlender Teile in die Gestaltung des neuen Altarraumes eingefügt.

Der Epistelambo stellt den Apostel Paulus dar, wie er seinem Schüler Timotheus einen Brief diktiert. Darüber stehen die Worte aus dem Brief an die Thessalonicher:

Obsecro vos ego vinctus in Domine, ut digne ambuletis -
Ich beschwöre euch vor Gott, würdig zu wandeln.

Darüber trägt der Ambo eine schlichte steinerne Buchstütze.

Auf dem Evangelienambo ist Christus dargestellt, wie er dem Petrus das Evangelium überreicht. Petri Hände sind - weil sündenbefleckt - mit einem Tuch umhüllt. Über der Darstellung steht die Aufschrift:

Loquetur dominus pacem in plebem suam - 
Der Herr verheißt Frieden für sein Volk.

Ein steinerner Pultadler krönt den Ambo.

Interessant sind auch die Darstellungen der Schranken des Chorgestühls: Sie stellen zwei Pfauen neben dem Kreuz und daneben Sonnensymbole dar.

Zur Erklärung muß man wissen: Bevor bei uns der Pfau zum Symbol der Eitelkeit wurde, galt er vor allem wegen seines Radschweifes als Sonnensymbol im fernen Osten wie in Griechenland, wo er der Juno heilig war. Auch in der frühen christlichen Tradition finden sich Anspielungen an Sonnenrad und Sternenhimmel, an die der ausgefächerte Schwanz des Pfaus erinnert.

Angeregt durch eine Schilderung des älteren Plinius, wonach der Pfau im Herbst seine Federn verliert und im Frühjahr zurückerhält, erblickten die Christen der Frühzeit im Pfau ein Symbol der Auferstehung des Leibes, das sie mit der Auferstehung Christi verbanden, zumal der Kirchenvater Augustinus zu wissen glaubte, daß das Fleisch des Pfaus unverweslich sei. Bruder Radbod, der übrigens die Dormitio-Abtei auf dem Zionsberg in Jerusalem reich mit Mosaiken ausgestaltet hat, weilte 1925 studienhalber in Ravenna, wo er der altchristlichen Symbolik intensiv begegnete. Die Symbolik in Goldmosaik auf unserem Muschelkalkgestühl, aber auch die Gestaltung unseres schönen Osterleuchters aus Alabaster gehen auf seine Inspirationen in Ravenna zurück.

 

Seitenapsiden

Sakramentskapelle

Entsprechend der Anregung des II. Vatikanischen Konzils ist heute die kleine Apsis zur Rechten des Altarraumes als eigene Sakramentskapelle gestaltet, deren drei Fenster mit Fischmotiven 1953 von Ludwig Baur, Telgte, entworfen wurden.

Sie wird beherrscht vom Tabernakel, dem "Zelt Gottes", das auf einer Stele ruht, die an jene Stelen, aufgerichtete Steine, erinnern darf, die schon im Alten Bund als Erinnerungszeichen an die Nähe Gottes dienten. Unser Sakramentshaus, das einzig ganz neue Ausstattungsstück im Zuge der Renovierung, ist eine Schöpfung des Bildhauers Hein Gernot aus Köln-Vingst. Die achteckige weiße Marmorsäule trägt das mit acht Säulen aus belgischem Granit verzierte ausladende Tabernakel, dessen Wände mit acht Platten aus Bronze versehen sind, und wiegt über 25 Zentner. Künstlerisch besonders gestaltet ist die Türplatte und ihre Umrahmung: Dargestellt in einem bronzenen Medaillon ist Christus als Osterlamm, der von Engeln angebetet wird, deren Köpfe, in belgischem Granit gemeißelt, die Tür umrahmen. Das Motiv deutet die himmlische Schau des Evangelisten Johannes aus der Offenbarung (5,llf.) an: den ewigen Lobpreis des Lammes durch die anbetenden Engel. Selbst die Teufel hat der Künstler in den Dienst Gottes genommen, indem er den Stipes am Schaft der Stele von eingemeißelten Teufelsfratzen tragen läßt.

Durch Verwendung des gleichen kostbaren Materials, aus dem der Altar besteht, und durch die Darstellung des Lammes ist es dem Künstler gelungen, trotz der räumlichen Trennung die geistig-liturgische Verbindung von Altar und Tabernakel zum Ausdruck zu bringen.

Auf der Wand rechts von der Stele stehen auf kleinen Konsolen die aus Lindenholz geschnitzten 80 cm hohen Figuren der vier Evangelisten, die einst den Hochaltar krönten. Sie kamen mit dem von Franz Esser aus Aachen 1891 angefertigten Hochaltar in unsere Kirche.

Wahrscheinlich wurden die Figuren vom Bildhauer Joka aus Köln geschnitzt, der damals in Zusammenarbeit mit Franz Esser auch andere Figuren für unsere Kirche hergestellt hat.

Taufkapelle

Der Taufstein in der linken Apsiskapelle, achteckig und aus belgischem Granit, mit einem hoch gewölbten, in ein kleines Kreuz auslaufenden Messingdeckel verziert, stammt aus den Westfälischen Marmor- und Granitwerken G. Dassel in Allangen und wurde 1894 erworben.

Auf der Stirnwand der Apsis steht heute auf einer neugotischen Konsole die 1,63 m große Statue des römischen Märtyrers Sebastian. Die Figur stammt aus Süddeutschland, vermutlich 17. Jahrhundert, und wurde nach dem letzten Krieg im Kunsthandel erworben. Die Aufstellung der Figur des Pfarrpatrons in der Taufkapelle will daran erinnern, daß Taufe immer auch Eingliederung in die konkrete Christengemeinde am Ort, die Pfarrgemeinde, bedeutet.

Nach der Legende entstammte Sebastianus einer vornehmen Mailänder Familie und diente dem römischen Kaiser Diokletian als Hauptmann seiner Leibwache. Heimlich Christ konnte er bei Ausbruch einer neuen Christenverfolgung in Rom manchen Glaubensgenossen beistehen und missionarisch unter den Gefangenen wirken. Bei seinem Kaiserangeklagt bekannte sich Sebastianus mutig zu seinem christlichen Glauben und wurde als Angehöriger der Armee zum Tode durch Erschießen verurteilt. Arabische Bogenschützen vollzogen das Urteil, indem sie ihn an einen Baum fesselten und seinen Leib mit Pfeilen beschossen. Man ließ den Gemarterten für tot liegen. Christen, die seinen Leichnam bergen wollten, entdeckten, daß Sebastianus noch lebte und pflegten ihn sorgfältig bis zur Genesung. So konnte der Totgeglaubte seinem Kaiser noch einmal entgegentreten. Aber seine Mahnungen brachten Diokletian nicht zur Besinnung. Er ließ vielmehr im Jahre 304 seinen ehemaligen Palasthauptmann in der kleinen Arena des Palatin mit Knüppeln erschlagen.

Das linke Fenster in der Taufkapelle, nach seinem Motiv "Tauben-Trauben-Fenster" genannt, geht auf einen Entwurf des Kunstmalers Ludwig Baur aus Telgte zurück und wurde 1955 bei Hein Derix in Kevelaer hergestellt. Im Hohenlied (2, 10 und 14; 5, 2; 6, 8) wird die Braut als Taube besungen - ein Motiv, auch von berühmten Kirchenvätern verwendet, in dem die Beziehung auf die Kirche als Braut Christi oder auch auf die in der Taufe wiederveborene christliche Seele verdeutlicht wird. So wäre mit den vielen Tauben die Kirche gemeint oder "Maria-
Kirche", wie der Künstler selbst seinen Entwurf bezeichnete.

 

Querschiff

Hl. Nikolaus

Der kostbarste Schatz unserer Kirche ist die sitzende Bischofsfigur links neben der Taufkapelle, vielleicht heute das älteste Kunstwerk, das Poppelsdorf besitzt, ein hervorragendes Werk des 14. Jahrhunderts, jetzt hinter Plexiglas in einem gotisierten, aus Schnitzereien des alten Hochaltars zusammengefügten Gehäuse besonders geschützt.

Aus bis heute gut erhaltenem Nußbaumholz gefertigt, 1,08 m hoch, thront auf einem schlichten gotischen Sitz die edelgeformte Bischofsgestalt im feierlichen Ornat mit Mlitra und Stab, wie sie Alois Weisgerber in einer ausführlichen Expertise beschreibt (3). Danach haben Übermalungen die Statue wohlbehütet, bis ein Altmeister der Restaurationskunst, Bardenheuer aus Köln, die ursprüngliche Fassung (Bemalung) wieder ans Tageslicht brachte. Heute gilt diese Bischofsdarstellung, die in Poppelsdorf seit jeher als Hl. Nikolaus verehrt wird, als eine der besterhaltenen Statuen dieser Art im Rheinland. Kein Zeichen läßt auf den Namen des Künstlers schließen, und niemand weiß, wie diese wertvolle Figur, die schon Jahrhunderte existierte, ehe die erste kleine Kapellengemeinde in Poppelsdorf entstand, in den Besitz der alten Poppelsdorfer Kapelle und damit unserer Gemeinde kam.

Die Verehrung des heiligen Nikolaus, eines Bischofs von Myra in Kleinasien im 4. Jahrhundert, verbindet Ost und West. Ein Kranz von Legenden überdeckt das Leben dieses beliebten Volksheiligen, dessen Fest am 6. Dezember bis heute vor allem mit Kindern gefeiert wird, da der Heilige u. a. als Patron der Schüler, Chorknaben und Kinder galt.

Heute mutet es kurios an, wenn Pfarrer Anton Pattoni noch am 12. 2. 1914 die Anfrage des Kölner Regierungs- präsidenten nach Beschreibung des Bauwerkes und einem Verzeichnis seiner Kunstgegenstände mit der kurzen, im Pfarrarchiv aufbewahrten Aktennotiz versah: "Die Kirche ist 1889 erbaut. 1909 wurde noch ein Joch und Turm angebaut. Sie enthält keine Gegenstände von kunsthistorischen Werten." Wen wundert es da, wenn heute noch manche Poppelsdorfer ganz erstaunt aufmerken, wenn von der Nikolausstatue als der wertvollsten Darstellung in unserer Kirche die Rede ist?

Reliefs

Auf der Rückseite der äußeren Arme des Querschiffs gegenüber der Nikolausstatue und der Sakristeitür befinden sich auf Sockeln zwei in Eichenholz geschnitzte Relieffigurengruppen: im linken Querschiff die Aufopferung Jesu im Tempel mit fünf Figuren und auf der anderen Seite eine Darstellung der Verklärung Christi mit sechs Figuren. Es sind die alten Hauptaltardarstellungen von 1891, die wie die Figuren der Evangelisten vermutlich vom Bildhauer Joka in Köln geschnitzt wurden und noch die alte Fassung besitzen.

Beichtstühle

Die beiden Beichtstühle im Querschift stammen noch aus der neuen Einrichtung der Kirche um 1900.

Apostelköpfe Unter den großen Rosetten des Querschiffs hängen 12 übergroße Apostelköpfe, deren Vorbilder aus der romanischen Kreuzigung aus dem Dom zu Halberstadt stammen und von Elscheid, dem Schöpfer unserer Kreuzigungsgruppe, für St. Maria im Kapitol in Köln jedoch in einen die ganze Kreuzigungsgruppe tragenden Balken eingearbeitet waren.

Fenster

Die neuen, rein ornamental gestalteten Fenster im Altarraum und Querschiff sind nach Entwürfen von Joseph Strater aus Krefeld in den Werkstätten für Glasmalerei Hein Derix in Kevelaer angefertigt und wurden, beginnend mit den Chorfenstern, in den Jahren 1950-1954 sukzessive eingesetzt. Die ursprünglichen, bildlich gestalteten Fenster waren leider ein Opfer der Kriegseinwirkungen geworden.

Im Jahre 1953 folgten die unteren Querschiffenster, ebenfalls nach Entwürfen von Joseph Strater, und 1954 und 1955 die großen Rosetten im Querschiff. Im Zuge der jüngsten Renovierung entwarf und fertigte Glasmaler Heinz Linden aus Poppelsdorf die Fächerfenster im rückwärtigen Querschiff. Die Fenster im Obergaden des Mittelschiffes, ornamental mit David- und Salomonsternen und Butzen gestaltet, gehören noch zum ursprünglichen Fensterbestand.

Bänke

Alle Kirchenbänke im Mittelschiff, im Querschiff und in den Seitenschiffen sind neu. Nur die ornamentgeschmückten Wangen der alten Bänke wurden wiederverwandt.

Einen Blick verdienen auch die Frontseiten der beiden ersten Bänke im Mittelschiff. Es handelt sich um die noch von Langenberg entworfenen ehemaligen Kommunionbänke. Die hübschen schon an den Jugendstil erinnernden Blumenornamente wurden 1891 vom Bildhauer Joseph Nicola jr. in Bonn geschnitzt und bei der Restaurierung für den heutigen Um- und Einbau nur um je ein Ornamentteil beigeschnitzt. Die dezente Farbgebung entspricht noch der ursprünglichen Fassung.

 

Seitenschiffe

Fenster

Von den Fenstern in der Kirche, deren Unterschiedlichkeit in Farbe und Gestaltung auffällt, erscheinen uns heute die alten Fenster in den Seitenschiffen sowie die in der Apsis der Schmerzenskapelle am wertvollsten. Von ihrer Gestaltung abgesehen, haben sie wohl auch den natürlichen Helligkeitsgrad, den eigentlich das innere Bauwerk insgesamt benötigen würde.

Die vier dreigeteilten Fenster in den Seitenschiffen wurden 1897 auf Grund einer frommen Stiftung noch durch Pfarrer Hürth bei der Firma Dr. H. Oidtmann in Linnich hergestellt.

Fenster im rechten Seitenschiff:

Das Sebastianusfenster:

Links:      Sebastianus als Oberster der kaiserlichen Leibwache, wie er den Gefangenen Marcus und
               Marcellianus Mut zuspricht.

Mitte:       Der mit Pfeilen beschossene Märtyrer.

Rechts:    Sebastianus als Patron unserer Kirche mit dem Hl. Rochus (beide ehemals Patrone der alten Kapelle)
               und dem Hl. Martin, dem Patron unserer Mutterkirche, zu Füßen die alte Kapelle und unsere jetzige
               Kirche nach dem ersten Bauabschnitt mit Dachreiter.

Darunter:  Symbole von Glaube, Hoffnung und Liebe und der Name der Firma Oidtmann. 

Das Dreikönigenfenster:

Links:       Die Könige folgen dem Stern.

Mitte:        Anbetung der Könige.

Rechts:     Die Könige bei Herodes. 

Darunter:   Brustbilder der Hl. Gertrud, Hl. Catharina und Hl. Agnes. 

Fenster im linken Seitenschiff:

Das Antoniusfenster: 

Links:         Eine Darstellung des Heiligen, den Fischen predigend. 

Mitte:          Antonius, das Christkind verehrend. 

Rechts:       Der Heilige mit dem Sakrament und dem knienden Esel. 

Darunter:     Brustbilder der Hl. Michael, Hl. Elisabeth und Hl. Eva.

Verständlich wird die Darstellung nur aus dem Leben und der Legende des Heiligen: Der heute als Kirchenlehrer verehrte Antonius von Padua wurde 1195 in Lissabon geboren, wurde dort zunächst Augustinerchorherr und trat 1220 zum Franziskanerorden in Coimbra über, von dem Wunsch beseelt, als Missionar nach Marokko zu gehen. Eine Krankheit ließ seine Missionspläne scheitern und verschlug ihn nach Italien, wo der Hl. Franziskus und dessen Ordensbrüder die theologische Begabung und das Predigttalent des Heiligen entdeckten. 1223 zum ersten Lektor der Theologie in Bologna berufen, wirkte Antonius gegen die Sekten der Albigenser in Italien und Südfrankreich. Die Legende berichtet nun, daf3 die sektiererische Bevölkerung von Rimini seine Predigt nicht hören wollte, worauf Antonius den Fischen, die aus der Adria herbeiströmten, gepredigt habe - was die Sektierer in Rimini zur Umkehr geführt habe. In Toulouse in Frankreich Iehnte man zunächst ebenfalls seine Bekehrungspredigten ab. Ein Ketzer erklärte ihm, nur ein Wunder werde ihn bestimmen, an die Gegenwart Gottes zu glauben. Er wolle seiner Eselin drei Tage kein Futter geben. Wenn sie nach diesen Fasttagen aber Heu und Hafer verschmähe, um die geweihte Hostie anzubeten, wolle er an die Gegenwart Christi im Sakrament glauben.

Das Josephsfenster:

Links:        Die Vermählung mit Maria. Mitte: Tod des Hl. Joseph.

Rechts:      Die Aufopferung Jesu im Tempel.

Darunter:    Brustbilder der Hl. Wilhelm, HI. Joseph und Hl. Petrus.

Leider wissen wir nicht, was zur Darstellung dieser bestimmten Heiligen in Brustbildern führte, die die Namenspatrone von Stiftern sein könnten. Wir wissen auch nicht, wer die Fensterdarstellungen im hellen Rankenornament entworfen hat. Der heutige Firmeninhaber Oidtmann schreibt, daß damals die Werkstatt nicht nach Entwürfen freischaffender Künstler arbeitete, sondern unter Leitung des jeweiligen Inhabers die Entwürfe von geschulten Entwerfern und Zeichnern angefertigt wurden. Im Kommissionsbuch bei Oidtmann steht neben den Fenstermaßen lediglich vermerkt, daß die "Gruppen usw." von Heinrichs und Traugott Beetz gemalt wurden, zwei Glasmalern, die damals bei Oidtmann beschäftigt waren.

Das "Dreiheiligen-Fenster":

Leider fällt das 1961 bei Hein Derix in Kevelaer in Auftrag gegebene Fenster im linken Seitenschiff über dem Barockbeichtstuhl mit einem beherrschenden Blauton auch farblich ganz aus dem in weißlich gehaltenen Grundton der alten Fenster um die Jahrhundertwende heraus.

Es handelt sich bei den drei Heiligendarstellungen um einen Entwurf des Kunstmalers Ludwig Baur aus Telgte:

St. Martin in der Mitte will daran erinnern, daß unsere Pfarrei aus der alten Bonner Martinspfarre hervorgegangen ist.

Links ist der Bauer Isidor von Madrid festgehalten, einst vom Kurfürsten Clemens August zum Patron der Kapelle im Poppelsdorfer Schloß bestimmt.

Um den spanischen Heiligen, dessen Fest auf den 15. Mai fällt, rankt sich ein Legendenkranz, der davon berichtet, wie er als armer Bauernknecht ein heiligmäßig frommes Leben führte, ehe er 1170 starb.

Im rechten Fensterfächer sieht man den ehemaligen Soldaten und Abenteurer Alexius, den nachmaligen Gründer der Barmherzigen Brüder (Alexianer), den Patron der auf dem ersten Stock des Poppelsdorfer Schlosses gelegenen Privatkapelle des Kurfürsten. Die Darstellung zeigt den Heiligen als Bettler mit Almosenkörben.

Alexius lebte um die Wende des 4. zum 5. Jahrhundert, entstammte einer reichen Familie in Rom und entsagte in der Nacht vor seiner Hochzeit seiner Braut und allem irdischen Reichtum, um Christus in Armut nachzufolgen. Im syrischen Odessa hielt er sich länger als Bettler auf, bis er später heimkehrte und siebzehn Jahre lang bis zu seinem Tod unerkannt als Pilgerbettler in seinem Vaterhaus verbrachte. Erst als Leichnam, das Bild des Gekreuzigten in Händen, erkannte man ihn wieder. Sein Fest fällt auf den 17. Juli.

Kreuzweg

Unter den dreigliedrigen Fenstern der Längswände der Seitenschiffe und an der Rückwand des linken Seitenschiffes sind vierzehn Kreuzwegstationen aus Terracotta eingelassen.

Sie wurden 1892 in der Kunsthandlung Th. Schülter in Köln, dem St. Josephs-Institut für Kirchliche Kunst, erworben. Über den Künstler, auf den die feine Arbeit zurückgeht, ist leider nichts bekannt. Ursprünglich waren die Stationen mit Gips überzogen, sehr bunt gefaßt und steckten in riesigen Schnitzrahmen. Im Zuge der jüngsten Renovierung wurden sie vom Kirchenspeicher geholt, ihr Terracottakern wurde freigelegt, Schäden wurden kunstvoll restauriert und die einzelnen Bildreliefs nur terracottagetönt in die Wände gesetzt.

Statuen und Reliquien

Die Figuren an der Längswand des linken Seitenschiffes, die Muttergottes auf der Mondsichel und die kleine Statue des Hl. Joseph, könnten nach einem alten Inventarverzeichnis der Kirche Erwerbungen um 1892 sein.

An der Rückwand des linken Seitenschiffes steht neben einem alten Barockbeichtstuhl aus der ehemaligen Kapelle in einer von Gangolf Minn ausgemalten Nische die um 1770-80 entstandene Elendsfigur Christus an der Geißelsäule. Die 160 cm hohe Figur hat seit dem Abbruch der Poppelsdorfer Kapelle 1895 vermutlich etwa fünfzig Jahre vergessen unter den Dachsparren unserer Kirche gelegen, bis sie wiederentdeckt und 1957 durch Roland Gassert aus Villip restauriert wurde, der auch die fehlende Geißelsäule ergänzte - ein Beweis, wie nach Errichtung der neuen Kirche die Ausstattung der alten Kapelle betrachtet und behandelt wurde.

Nicht besser verfuhr man mit den ebenfalls aus der alten Kapelle stammenden Reliquienkästen, die heute gitter- und glasgeschützt ihren würdigen Aufbewahrungsort unter dem Schmerzensmann gefunden haben, während zwei barocke Reliquienkästen neben der Plastik hängen. Jedes Gebein ist mit einem mit einem Heiligennamen bedruckten Zettel versehen und zeugt von der Reliquienfrömmigkeit unserer Vorfahren, die wir heute gewiß nicht mehr ganz nachvollziehen können. Immerhin aber handelt es sich um menschliches Gebein, das in Verbindung mit der Betrachtung des Leidensmannes jeden Beter daran erinnert, woraus er gemacht ist. Franz L. Schleyer, Professor der Gerichtsmedizin, hält die Reste menschlichen Gebeins für "jahrhundertealt".

Die beiden barock anmutenden Statuen an der Längswand des rechten Seitenschiffes, der Hl. Rochus und der Hl. Johannes von Nepomuk, sind im oben genannten Inventarverzeichnis, das um 1900 angelegt wurde, nicht aufgeführt. Das muß aber nicht bedeuten, daß sie zu dieser Zeit nicht im Besitz der Gemeinde gewesen sind. Vielleicht waren sie als "alt" und deshalb als "unwert" beiseite gestellt. Erst auf einem Photo nach 1914 erscheinen sie auf dem alten Altaraufbau. Vermutlich stammen sie noch aus dem Inventar der alten Kapelle, zumal neben dem Hl. Sebastian auch der HI. Rochus Patron der alten Kapellengemeinde war und im Pfarrhaus (Anmerkung der Redaktion: Das Bild hängt heute in der Kirche über dem Eingang zur Sakristei) noch ein großes Ölgemälde von 1854 die beiden Patrone Sebastian und Rochus nebeneinander darstellt.

Die Statue zeigt den Hl. Rochus als Pilger in einem Mantel mit dem Pilgerstab und zu seinen Füßen neben dem Stab einen kleinen Engel. 

Ein kleines Hündlein am anderen Fuß spielt auf die Legende an, wonach ein Hund dem Heiligen, der 1317, nachdem ersein beträchtliches Vermögen an die Armen verteilt hatte, nach Rom aufbrach und in Piacensa an Pest erkrankte, Brot zutrug, bis er gesundete. Er war aus seiner Heimat Montpelliers in Frankreich als Pilger aufgebrochen und traf auf seinem Weg in Acquapendente auf die Geißel seiner Zeit, die Pest. Unermüdlich bemühte er sich um die Sterbenden, um in ihnen seinem Herrn zu dienen.

Die Statue zeigt ihn, wie er mit seiner Rechten seinen Mantel schürzt und auf eine Pestwunde über seinem Knie zeigt. Wie der Hl. Sebastian gehört der Hl. Rochus zu den 14 Nothelfern, die vor allem in der Not der Pest um Hilfe angerufen wurden.

Die andere Statue vom Hl. Johannes von Nepomuk erinnert an einen Prager Domherrn - darum das Kreuz in seiner Hand.

Der Legende nach wurde er ein Märtyrer des Beichtgeheimnisses, weil er sich als Beichtvater der Königin verweigerte, dem eifersüchtigen König Wenzel von Böhmen sein Wissen aus dem Beichtstuhl mitzuteilen. Er wurde deshalb am 20. 3. 1393 gefesselt von einer Brücke in die Moldau gestürzt und ertränkt, weshalb er auch als sog. "Brückenheiliger" bekannt ist.

Auf der Rückwand des rechten Seitenschiffes befindet sich die 2,38 m große Statue der Hl. Margareta- eine Schöpfung des Bildhauers Wilhelm Tophinke aus Brühl, angefertigt im Jahre 1950 aus Edelkastanie. Der Künstler hatte schon 1948 eine gleich große Sebastianusstatue aus Ahornholz geschnitzt, die heute im Pfarrsaal hängt. Auch Margareta gehört zu den 14 Nothelfern. Ihre Verehrung in Poppelsdorf hängt mit der aus dem 40stündigen Gebet der ehemaligen Schloßkapelle erwachsenen Poppelsdorfer Kirmes zusammen, weil ihr Fest am 13. Juli regelmäßig in die Oktav fiel.

Die Heilige lebte im 3. Jahrhundert und entstammte einer reichen heidnischen ,Adelsfamilie in Pisidien, wrurde insgeheim Christin und gelobte ewige Jungfräulichkeit. Als sie einen Heiratsantrag ihres heidnischen Landpflegers Olibrius ablehnte, kam es zum Konflikt. Die Zuneigung des mächtigen Herrn verwandelte sich in Haß und führte im Jahre 300 zu ihrem Martyrium. Der Dracbe und das Kreuz der gekrönten Frauenplastik weisen auf ihre Legende, wonach die Heilige den Teufel in der Gestalt des Drachen durch das Kreuzzeichen besiegt haben soll.

Bei den Figuren vor den Säulen in Höhe der Seitenportale handelt es sich im linken Seitenschiff um eine Statue des Hl. Antonius, im rechten Seitenschiff um eine Statue des HI. Joseph. Beide Statuen wurden vor 1900 erworben und sind Schöpfungen des Bildhauers Josef Fink aus Köln, dessen künstlerisches Können heute wieder Anerkennung findet.

Weihwasserbecken

Die beiden Weihwasserbecken in den Seitenschiffen stammen noch aus der Zeit des Erweiterungsbaus und waren an den Säulen angebracht, zwischen denen heute Glastüren von der Vorhalle aus einen Zugang zu dem eigentlichen Kirchenraum ermöglichen. Die marmornen Schalen für das Weihwasser ruhen auf kleinen Granitsäulen, die neu angefertigt wurden.

 

Hochkapelle: Maria Königin

Die kleine Hochkapelle am rechten Seitenschiff gehört zum Erweiterungsbau von 1909. Eine gegliederte Balustrade mit zwei echten Granitsäulen teilen diese Marienkapelle vom Seitenschiff ab. Ein Marmoraltar mit einer Mensa aus belgischem Granit, der einzige noch ursprüngliche Altar in unserer Kirche, birgt heute in seinem Fuß die Reliquien aus den in den kleinen Apsidenkapellen entfernten Altären.

Der Altar trägt die aus Eichenholz vom Bildhauer Joka aus Köln geschnitzte große Madonna mit Kind, Krone und Zepter, die 1891 der Gemeinde von einer Gönnerin geschenkt wurde. Wie viele andere Statuen aus dieser Zeit verrät sie die Hand eines Bildhauers des 19. Jahrhunderts, der sich in den Formen mittelalterlicher Plastik wohl auskannte. Von Gangolf Minn aus Brühl stammt die architektonische Wandzeichnung hinter der Statue.

Als Vorbild für die Gestaltung der drei kleinen Fenster dienten dem Architekten bei der jüngsten Renovierung die ornamental mit David- und Salomonsternen und Butzen geschmückten Fenster im Obergaden des Mittelschiffes. Die Barockbänke sind noch Reste aus der alten KapeIIe. In der Weihnachtszeit wird hier in der Hochkapelle die Krippe aufgestellt.

 

Seitenkapelle: Mariä Schmerzen

Gegenüber der Hochkapelle schließt sich ans linke Seitenschiff eine kleine Seitenkapelle an, die vom Entree aus durch zwei hohe Glastüren zugänglich ist.

Über dem neueren Holzaltar befindet sich in einer Nische mitten in der Apsis eine als Pieta dargestellte Mantelmadonna aus Lindenholz, 80 cm hoch, vermutlich aus dem 18. Jahrhundert und noch aus dem Inventar der alten Poppelsdorfer Kapelle - ebenso wie die barocken Bänke. An der Seitenwand erinnern Ehrentafeln an die Gefallenen aus den Kriegen 1870/71 und 1914/18. Davor liegt ein Gedenkbuch der Gefallenen aus dem zweiten Weltkrieg 1939/45. Das große marmorierte Kreuz an der Rückwand dürfte ebenfalls noch aus dem Inventar der alten Kapelle stammen. Drei gleich große Fenster in der kleinen Apsis wurden 1911 vom Bürgerverein gestiftet, wie eine Inschrift im mittleren Fenster besagt.

Mitte:
Darstellung der Taufe Jesu im Jordan. Über Jesus und dem Täufer Johannes erscheint Gottvater und die Geisttaube, so daß die Darstellung eine getreuliche Wiedergabe der Evangelienszene ist, die in dem Ausspruch des göttlichen Vaters gipfelt: "Dieser ist mein geliebter Sohn!"

Die Fenster links und rechts geben in von reichem Rankenornament umgebenen Medaillons Symbole wieder:

Links:
Ein brennendes Herz, von zwei Sonnen umgeben, von einem grünen Kreuz gekrönt und einem grünen Anker gehalten. Die Inschrift erklärt, was der unbekannte Künstler darstellen wollte: "Jetzt aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Größer aber unter diesen ist die Liebe!"

Rechts:
Hier erscheint nur eine Lilie, das Symbol der Reinheit - was auch die dem Römerbrief (6, 22) entnommene Inschrift verdeutlicht: "Jetzt aber frei geword(en) von d(er) Sünde, dienstbar geworden für Gott, habet ihr eure Frucht zur Heiligung, als das Ende aber das ewige Leben!"

Unverkennbar halten die ausgewählten Motive die Erinnerung an die ehemalige Taufkapelle wach.

Das neuere Passionsfenster links neben dem Eingang wurde von Ludwig Baur entworfen und 1961 von der Firma Hein Derix aus Kevelaer hergestellt. Das Harmonium darunter ist die Stiftung eines Pfarrkindes. Heute finden in der Kapelle regelmäßig Gottesdienste für kleinere Gruppen statt (Anmerkung der Redaktion: In der Regel finden hier auch die Werktagsgottesdienste statt).

 

Orgel

Bei der Orgel, deren Prospekt leider ein großes Rosettenfenster verdeckt, handelt es sich um ein Werk des Bonner Orgelbaumeisters Johannes Klais, das am 29. 9. 1963 seine Weihe erhielt.

Mit 36 Registern, drei Manualen, mechanischer Traktur und elektrischer Registrierung zählt sie zu den wertvollsten Instrumenten in Bonner Kirchen. Nach barockem, aber zeitgemäß gewandeltem Vorbild ist die Orgel in mehrere, in sich klanglich selbständige Werke geteilt. Das Rückpositiv an der Brüstung der Empore enthält die erlesensten Solostimmen. Die 2718 Pfeifen sind weicher intoniert als die meisten sog. Barockorgeln aus dem 19. Jahrhundert.

Unter Pfarrer Stöcker wurde in der Gemeinde lange für die Anschaffung dieses wertvollen Instrumentes gesammelt.

Der Kapitelsaal neben der Orgelbühne dient heute wieder den Proben des Kirchenchores und birgt in großen Glasvitrinen viele alte Kirchen- und Vereinsfahnen aus der Poppelsdorfer Geschichte und ein großes Triumphkreuz aus der Zeit um 1900.

 

Sakristei

Die Sakristei ist bei der Restaurierung völlig neu gestaltet und in Ministranten- und Priestersakristei aufgeteilt worden. Der Raum hat zwar eine ganz neue Einrichtung bekommen, aber das Schnitzwerk der alten Schränke und vier große Eichentafeln mit den eingeschnitzten Evangelisten aus der ehemaligen Kanzel wurden in das neue Schrankwerk geschmackvoll eingebaut und dienen so weiterhin einem würdigen Zweck.

 

Kirchliche Geräte

Von den heute noch benutzten kirchlichen Geräten stammen einige aus der alten Kapelle, andere - aus späteren Jahren - haben auch ihren historischen Wert.

Zu nennen sind noch Kelche und Ziborien aus der ehemaligen Kapelle, ein kleines barockes Kreuzreliquiar und ein messingversilbertes Reliquiar mit einer Reliquie unseres Pfarrpatrons, des Hl. Sebastian. Vor 1900 datiert auch die Herstellung unserer neugotischen Monstranz sowie der kunstvollen großen neuromanischen Monstranz. Zwei silberne Weihrauchfässer sind - wie die Inschrift besagt - ein Geschenk der Meßdiener (10. Okt. 1899). Bei Prozessionen wird das große edelsteinbesetzte Vortragekreuz benutzt, das mit vier Emaillebildern aus dem schmerzhaften Rosenkranz geschmückt ist. Von den Paramenten ist das älteste ein kostbares, wieder aufgearbeitetes Meßgewand mit Stola von 1720.

Zur Ehre Gottes

Wir können nach dieser Betrachtung unserer Kirche, deren Einrichtung noch bis in das Restinventar ihrer Vorgängerin, der ehemaligen Kapelle zurückgeht, nur hoffen, daß kommende Generationen in Frieden bewahren, was der Opfersinn einer Gemeinde in ihrer noch gar nicht so sehr alten und doch durch zwei Weltkriege heftig bewegten Geschichte in unserem Gotteshaus zur Ehre Gottes und zum Dienst an der Gemeinde zusammengetragen hat.

Möge diese Beschreibung ein wenig helfen, auch das zu würdigen und zu schätzen, was erst in unseren Tagen von der Kunsthistorie hier und da freundliche Beachtung findet.

Bleibt zu wünschen, daß darüber hinaus der Besucher in unserem Gotteshaus gerne mit uns zusammen das heilige Opfer feiert und das Lob des Allerhöchsten anstimmt.

 

Literaturnachweise

(1) Archiv der Katholischen Kirchengemeinde St. Sebastian zu Bonn-Poppelsdorf.

(2) Bloch, Peter: Skulpturen des 19. Jahrhunderts im Rheinland. Düsseldorf 1975, Seiten 33 und 34.

(3) Weisgerber, Alois: Die gotische Bischofsfigur in der Pfarrkirche zu Bonn-Poppelsdorf. in: Kunstgabe des Vereins für christliche Kunst im Erzbistum Köln und Bistum Aachen. 1940. S. 53 f.

(4) Weyres, Willy: Katholische Kirchen im alten Erzbistum Köln und im rheinischen Teil des Bistums Münster.

in: Kunst des 19. Jahrhunderts im Rheinland. Architektur I, Schwann, Düsseldorf 1980, Seiten 76 und 77.

Photonachweis

Die Photos stammen von Rolf Sachsse, Rolf Roggendorf, Dr. M. Th. Rolland, aus dem Pfarrarchiv oder vom Autor.

 

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Zum Geleit

Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den 
Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt 
und geehrt worden ist. Laf3t euch als lebendige
Steine zu einem geistigen Haus aufbauen,
zu einer heiligen Priesrerschaft, um durch Jesus 
Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott
gefallen. (l. Petr. 2, 4f.)

 

Unsere steinernen Gotteshäuser wollen keinem anderen Ziel dienen als dem, das der heilige Petrus in seinem Brief mit dem Aufbau eines geistigen Hauses aus lebendigen Steinen anspricht. Diesem Ziel galt auch die Renovierung unserer Pfarrkirche St. Sebastian, die am 14. Oktober 1979 im Innern zum Abschluß kam.

Neben der Durchführung der notwendigen Reparaturarbeiten zur Substanzerhaltung sowie der Restaurierung des Innenraumes erfolgte gemäß den Erfordernissen der Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils eine völlige Neugestaltung des Altarraumes.

Bei der Ausstattung der Kirche konnten alle Kultgegenstände, selbst solche, die in Kellern und auf Speichern abgestellt waren, wieder sinnvoll ihrer Bestimmung im Kirchenraum zugeführt werden. Die einzige völlige Neuanschaffung, die Tabernakelstele, ist in Form und Material harmonisch in den Gesamtrahmen eingefügt.

Mit diesem Kirchenführer möchte ich dem Gottesdienstbesucher von St. Sebastian eine Hilfe in die Hand geben, Gestalt und Ausstattung unserer Kirche zu verstehen und auch das Leben der dargestellten Heiligen zu würdigen, die mit zu jener "heiligen Priesterschaft" gehören, die durch Jesus Christus geistige Opfer dargebracht hat, die Gott gefallen, - nachahmenswerte Vorbilder für unsere Gemeinde. Mit diesem Kirchenführer möchte ich aber auch für die vielen materiellen Spenden danken, die das Werk der Renovierung unserer Kirche mit ermöglicht haben. Dank gilt auch allen, die mir bei der Abfassung dieser Schrift mit Rat und Tat zur Seite standen, besonders Frau Dr. M. Th. Rolland, die für die sachgemäße Aufgliederung und Übersicht des Textes gesorgt hat.

Bonn, am Fest des hl. Sebastian 1982

Dechant Gregor Neumann
Pfarrer an St. Sebastian 1973 -1998

 

Den Kirchenführer können Sie in gebundener Form zum Preis von DM 3,-- im Pfarrbüro, Rehfuesstr. 24, 53115 Bonn, oder durch Einsendung eines mit DM 3,-- frankierten und adressierten Briefumschlages zzgl. DM 3,-- in Briefmarken erwerben.

 

 

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