Treffpunkt yesterday
aus dem - Archiv

Der folgende Artikel ist in der Ausgabe Okt./Nov. 1971 erschienen:


Bei der Feuerwehr - damit die anderen ruhig schlafen können


"Unser zweiter Beruf" sagen sie oder: "Wir sind immer Im Einsatz". Sie, das sind die Männer der Freiwilligen Feuerwehr unseres Stadtbezirks Poppelsdorf. Mit einer Stärke von 30 Köpfen, 60 Beinen und 60 Armen sind sie keine große Streitmacht. Und doch schützen sie und Ihre Vorfahren nun schon seit 1876, also fast 100 Jahre, Gut und Leben ihrer Mitbürger In Poppelsdorf. So klein Ihre Gruppe, so sehr fallen die Feuerwehrmänner auf: Durch Ihr Eingreifen bei Bränden und Unwettern, durch ihre Hilfsbereitschaft bei allen nur erdenklichen Gelegenheiten und durch Ihre scheinbar unermüdliche Tatkraft. Es braucht nicht vieler Worte; wenn die Feuerwehr einmal ja gesagt hat, dann ist darauf auch Verlaß. Erlebt haben das zuletzt die Poppelsdorfer, die unser Pfarrfamilienfest vorbereiteten und besuchten. Ohne die Männer der Feuerwehr wäre es in diesem Jahr nicht so gut gelungen, vielleicht überhaupt nicht möglich gewesen. Dabei hätte die Wehr im Grunde gar nichts damit zu tun. Aber Heinz Henseler (43) und seine Männer haben für sich selbst den ' Worten freiwillig" und hilfsbereit' einen für unsere Zeit sicherlich außergewöhnlichen Sinn gegeben. "Wir machen das schon" sagten sie nicht nur, sie taten es auch in bewundernswerter Weise.

Für Heinz Henseler, der seit 1964 an der Spitze der Freiwilligen Feuerwehr Poppelsdorf steht, und alle seine Männer ist der Dienst für den Nächsten, mehr als nur ein Hobby, eine Freizeitliebhaberei in Uniform."Wir fühlen uns zur Hilfe berufen. Daraus ergibt sich auch das vorzügliche Kameradschaftsverhältnis untereinander", sagt Henseler. Wie weit das geht, beweist folgendes Beispiel: Als ein Feuerwehrmann schwer krank wurde, bestellten die Kameraden über lange Zeit seinen Garten. Nach seinem frühen Tod säen, ernten und ackern die Wehrmänner jetzt für seine Hinterbliebenen.

Es gehört allerhand dazu, bei der Feuerwehr zu sein, denn das bedeutet: 45 von 52 Sonntagen im Jahr im Dienst, dazu Einsätze in Poppelsdorf oder zusammen mit der Bonner Berufsfeuerwehr, Übungen und Fahrzeugpflege. Drei Tanklöschfahrzeuge (TLF/8) und ein Löschfahrzeug (LF/16 TS) bilden den Hauptteil der Ausrüstung der Poppelsdorfer Wehr. Und noch einige Zahlen: In einer halben Stunde sind die Poppelsdorfer voll einsatzbereit,
nur 12 Minuten dauert es zur Nachtzeit, bis die erste Gruppe (9 Mann) komplett zur Stelle ist. "Boß" Henseler hat das bei immer neuen Übungen mit der Stoppuhr getestet, denn Schnelligkeit kann über Leben und Tod oder das Ausmaß eines Schadens entscheiden.

Bezahlung ist für die Männer der Freiwilligen Feuerwehr ein Fremdwort. Sollte es nötig sein, so erstattet die Stadt Bonn den Verdienstausfall. Für Gruppenführer und Fahrer gibt es zwar eine monatliche Aufwandsentschädigung und für Stunden außerhalb der Dienstzeit ein kleines "Brandgeld", aber kein Pfennig wandert in eine private Tasche, sondern alles in einen gemeinschaftlichen Fond. Damit bestreiten die Feuerwehrmänner dringende Anschaffungen oder außergewöhnliche Hilfsmaßnahmen (Beispiel Kinderbeschenkung) und machen einmal im Jahr eine gemeinsame größere Fahrt.

Die Zeiten, da sich der "Beruf" eines Feuerwehrmanns vom Vater auf den Sohn übertrug, sind längst vorbei. Deshalb haben auch die Poppelsdorfer große Nachwuchssorgen. Der Hauptgrund des Problems: "Sonntags in aller Frühe aufstehen und praktisch immer abrufbereit sein, das ist für viele ein zu großes Opfer und eine Zumutung", meint Henseler. Außerdem weiß er aus Erfahrung, daß oft die Familie ein Hinderungsgrund ist. Dank und Bewunderung zollt er daher den Ehefrauen seiner Männer: Sie haben Verständnis, hellen mit, sind einfach großartig!

Das ganze Jahr über sind sie für andere da, einmal sollte auch den Männern der Feuerwehr geholfen werden. Aber das kann nur die Stadt Bonn, wenn Heinz Henseler mit Recht klagt: .Wir haben zwar eine bessere Garage als Gerätehaus, doch es fehlt sowohl ein Aufenthaltsraum wie eine Toilette". Eine Dusche um den gröbsten Dreck nach ihren Einsätzen los zu werden, haben die Männer mittlerweile selbst eingebaut. Das andere sollte recht bald die Stadt Bonn schaffen. Ihre Poppelsdorfer "Freiwillige" muß ihr das wert sein.

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©www.poppelsdorf.de/Redaktion

27.05.01 21:20