Treffpunkt yesterday
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Der folgende Artikel ist in der Ausgabe Dezember 1972 erschienen:
Poppelsdorfer »Untergrund«
Die Kolpingsfamilie
Nicht eine Verschwörung wird geplant, wenn sich die Männer der Kolpingsfamilie und ihre
Frauen jeden Donnerstag treffen "im Untergrund", dem Raum unter der Bühne des
Pfarrsaales, dessen Eingang nicht leicht zu finden ist. Hier führen sie ihr Programm
durch, hier spielt sich ihr Leben ab. Es ist eine eingeschworene Gemeinschaft; 58
Mitglieder zählt sie, wenn auch nicht alle aktiv sind. Daß ein Viertel von ihnen gar
nicht mehr in Poppelsdorf wohnt - sogar von Köln kommt einer zu jedem Kolpingabend -
zeigt, daß die persönlich-menschliche Bindung stark genug ist, auch manchen Ortswechsel
zu überdauern. Freundschaft ist ein wesentlicher Faktor ihrer Gemeinschaft, die nur das
gegenseitige, familiäre "Du" kennt.
Vor mehr als 130 Jahren hatte Adolf Kolping in Köln einen Gesellenverein gegründet, und
schnell verbreitete sich die Idee einer ständischen Gemeinschaft. Damals war sie
zeitgemäß; heute aber ist der Gedanke einer Berufsgemeinschaft längst aufgelockert.
Zwar bilden die Handwerker in der Poppelsdorfer Kolpingsfamilie die Mehrzahl, aber es sind
alle anderen Berufsschichten ebenso vertreten.
Offenheit ist eine ihrer Devisen. Die eingeschworene Gemeinschaft der Kolpingsfamilie hat
nicht die Isolierung auf ihre Fahnen geschrieben. Der "Untergrund" steht offen
für jedermann, jeder ist bei ihnen herzlich willkommen, und gleich fühlt man sich in
dieser familiären Atmosphäre zuhause. Keine Ressentiments, keine Vorurteile. Zwar ist
die Kolpingsfamilie eine katholische Organisation, aber auch Angehörige anderer
Konfessionen können Mitglieder werden: die Kolpings- familie war schon ökumenisch, als
andere noch nicht einmal von Ökumene redeten.
Frauen können zwar (noch) nicht Mitglied werden, aber sie sind zu allen Veranstaltungen
eingeladen; sie sind dabei, und man merkt keinen Unterschied.
Der ehemalige Gesellenverein ist ein geselliger Verein. Doch darin erschöpft sich die
Arbeit der Poppelsdorfer Kolpingsfamilie nicht. Sie finden sich zwar manchmal ohne Thema
und nur zu einem Glas Bier zusammen, aber langweilig wird's nie. Und was man sonst selten
findet: Diskussionen über politische, gesellschaftliche und vor allem religiöse Themen
sind Kernpunkte ihres Programms. "Wir sind eine der wenigen Organisationen, die sich
noch intensiv mit religiösen Fragen beschäftigen", sagt Vorsitzender Paul Stoll,
und er hat recht. Religiöse Gespräche, Einkehrtage finden regelmäßig statt. - 60 %
ihres Programms bestreiten sie aus eigenen Reihen, ein Zeichen ihrer Aktivität.
Referenten dürfen immer nur kurz reden, damit sie selbst in der Diskussion zu Wort kommen
können. Diskutieren scheint eine ihrer Leidenschaften; dabei bleiben sie stets tolerant
gegenüber anderen Auffassungen.
Vieles geschieht im "Untergrund", von anderen kaum beachtet. Aber die
Kolpingsfarnilie tritt auch hervor. Vor allem das gesellige Moment strahlt nach außen.
Die "Närrischen
Gesellen", eine Gruppe innerhalb der Kolpingsfamilie, betreibt aktiven Karneval.
Ihre Sitzungen sind jedes Jahr ein Höhepunkt der "Poppelsdorfer Session". - Ein
lustiges Völkchen, die Kolpingsfamilie, die auch sonst immer zur Stelle ist, wenn Männer
gebraucht werden (und ihre Frauen): ein Poppelsdorfer Pfarrfest ist ohne sie nicht zu
denken.
Auch die Kolpingsfamilie hat Nachwuchssorgen, wie alle Vereine. Aber leichter als anderswo
findet jemand zu ihnen, wenn er einmal in den "Untergrund« hinabgestiegen ist: weil
man so herzlich aufgenommen wird, als gehöre man immer schon dazu, bleibt mancher auch
gerne da.
J J J J J J J J
Informationen zur Kolpingsfamilie
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27.05.01 21:23