Poppelsdorfer Heimatsammlung Stöcker
Von der Müllkippe in die Glasvitrine
HEIMATMUSEUM Kostbares Gebetbuch stammt aus der kurfürstlichen Zeit
POPPESDORF. Einem aufmerksamen Müllwerker verdankt das Heimatmuseum Poppelsdorf eines seiner ältesten Schriftstücke, das Gesang- und Gebetbuch aus dem Jahr 1744. "Der Mann hat das gute Stück auf einer Müllkippe gefunden und es dem damaligen Leiter und Begründer des Museums, Hans Rudolph Stöcker, gebracht. Das muss Mitte der 50er Jahre gewesen sein. Stöcker war hocherfreut über diese Kostbarkeit" berichtet Helmut Uessem, Leiter des Heimatmuseums. Völlig verdreckt vom Müll, musste das Gebetbuch gereinigt werden. Doch leider stand dafür damals kein fachmännischer Rat zur Verfügung, so dass das Gebetbuch mittlerweile derart empfindlich geworden ist, das Uessem es in einer Glasvitrine aufbewahrt und nur noch zu besonderen Anlässen hervorholt.

Foto: Helmut Uessem
Wer den Lederdeckel des Gebetbuches umklappt, sieht: Das Vorsatzblatt, auf dem der Eigentümer normalerweise seinen Namen einträgt, ist herausgerissen. " Aus diesem Grund können wir heute auch nicht mehr rekonstruieren, wem das Gebetbuch einmal gehört hat", so Uessem. Nur Verleger ist eindeutig durch einen Nachweis zu identifizieren: Heinrich Lindenborn aus Köln, der neben satirischer auch geistliche Lektüre herausgab. Fest steht jedoch, dass das Buch jemand aus gehobenen Bürgerschicht gehört hat. "Denn nur wohlhabende Leute besaßen so kostbare Gebetbücher. ein Geistlicher kommt als Eigentümer nicht in Frage, weil das Gebetbuch sonst in Latein verfasst wäre", erklärt Uessem.
(Quelle: General-Anzeiger Bonn, whe, 18.04.2001 - Wir danken dem Bonner General-Anzeiger für die freundliche Unterstützung - die redaktion www.poppelsdorf.de)
20.04.01 22:08