Unser Melbbad e.V.-
Verein zur Rettung des Melbbades
50 Jahre Melbbad

Liebe Freunde des Melbbads,
an dieser Stelle möchte der Verein "Unser Melbbad e.V." eine Sammlung
von Anekdoten und Begebenheiten aus 50 Jahren
Melbbad veröffentlichen. Wenn auch Sie einen Beitrag hierzu leisten können,
senden Sie bitte eine e-mail an:
Vielen Dank!
Hier der erste Beitrag von Dirk Kranefuss:
Das
Melbbad der 68er
Während
andere ordentlich studierten, zog ich es vor, meine Scheine im Melbbad zu
machen.
Jeden
Morgen um 10 Uhr betrat ich „mein“ Melbbad, meine Wirkungsstätte! Hatte die
Badehose schon unter den Jeans an - das ersparte die Umkleidekabine - und
breitete mein Handtuch nah am Zaun auf der kleinen Wiese hinter den Startblöcken
fein säuberlich aus, Schuhe und Jeans gefaltet über den parallel
ausgerichteten Tennisschuhen. Dann musterte ich wohlwollend meine
Badetuchnachbarn zur Rechten und zur Linken, unscheinbare Spießer, doppelt so
alt, aber erstaunlich - mit den
gleichen Angewohnheiten wie ich.
Zum
Auftakt ging ich zu den Startblöcken, tippte einen Zeh ins Wasser, duschte noch
einmal kurz kalt ab, um mich dann vom Startblock in das spiegelglatte Wasser zu
stürzen. Ich war gut drauf, damals, und tauchte häufig die ganze Länge des
Schwimmbads durch.
Wenn
Frauen da waren, legte ich noch einmal eine halbe Länge Butterfly ein und ging
dann in den Kraul über, um zu kaschieren, dass ich nicht mehr konnte.
Ich
war wirklich gut drauf, damals. Ein kleiner Schwatz mit dem netten blonden
Bademeister, der sich anerkennend über meine Schwimmleistungen äußerte, und
dann döste ich erst einmal in der Morgensonne, bis in der Regel mittags meine
ersten Kommilitonen erschienen. Sie und ich warteten natürlich mehr auf das
Auftreten der Kommilitoninnen, die ebenfalls mehr oder minder spärlich und
schick gekleidet ins Melbbad kamen.
Da
war die nette Sylvia mit den wunderbar langen seidigbraunen Haaren, deretwegen
sie nur vorsichtig im Wasser umherschwamm, da war die bemerkenswerte Monika, mit
dem übergroßen Busen, dessentwegen sie schon mal von Bewunderern ein Eis
ausgegeben bekam oder Worte wie „nicht zu fassen“ im Vorübergehen.
Da
war die heisse Birgit (Pamela Anderson war nichts dagegen), bei deren Erscheinen
die Sonne aufging und die flirrende Luft nochmal um 3 Grad heißer wurde und die
ihr Handtuch immer am Beckenrand ausbreitete, wo sie von allen am besten
angeschwommen werden konnte. Obwohl in festen Händen eines Mediziners setzte
sie sich sehr zu meinem Entzücken manchmal auch auf mein Fahrrad, um sich nach
Hause radeln zu lassen. Und da war die immer freche Uschi, mit der ich schon häufiger
nachts zum Nacktbaden über den Zaun des Melbbads geklettert war und für die
ich aus Liebe auch nachtfeuchtes Gras in Kauf nahm.
Aber
meist alberten wir im Wasser herum, ich spielte den adligen Nichtschwimmer, der
mit den Brustwarzen eine Handbreit über dem Wasser oder den Schwimmbauer, wo
stattdessen der Hintern immer eine Handbreit über dem Wasser ist. Oder wir
unterhielten uns auf der Wiese stundenlang über Gott und die Welt, also das,
was am nächsten Tag schon wieder vergessen ist.
Nachdem
ich so schon mehrere kleine Scheine absolviert hatte, beschloss ich eines
Sommers, den großen Melbbadschein zu machen. Da
ich gerne tauchte, ließ ich öfter die Luft ab und ließ mich rücklings auf
den Boden des Schwimmbeckens absinken. Meine am Beckenrand sitzenden Freunde
fanden das ganz unterhaltsam und schlugen vor, den Bademeister (den netten
blonden) reinzulegen. Als
er sich unserer Gruppe auf seinem Rundgang näherte, ließ ich mich auf den
Boden gleiten. „Gar nicht schlecht“, sagte er, „ich wäre beinahe drauf
reingefallen, wenn deine Freunde nicht so gelacht hätten“.„Aber“, lachte
er, „mein Kollege (der blöde schwarzhaarige), der ist immer so wasserscheu,
bei dem kannste´s ja mal versuchen“.
Also,
wir verabredeten, dass er den nächsten Rundgang mit seinem Kollegen zusammen
machen würde.Als ich die beiden heranschlendern sah, ließ ich mich wieder auf
den Boden gleiten, auf den Rücken, die Arme wasserleichengerecht ausgebreitet.
Dort wartete ich. Ich
war erstaunt, wie schnell ich nach oben gerissen wurde.
Als
ich den Meister gespielt erstaunt anschaute und die Gruppe vor Lachen nicht mehr
konnte, merkte er, was los war und platzte vor Wut. „Sie verlassen sofort das
Schwimmbad“ brüllte er mich an. Ich entzog ihm meinen Arm: „Kann man denn
hier nicht einfach in Ruhe tauchen?“ „Sie verlassen sofort das Schwimmbad“
brüllte er wieder, aber schon etwas schwächer, denn aufgrund meiner Frage sah
er seine Chancen für die Durchsetzung schwinden. So ließ er mich widerwillig
im Wasser zurück.
Kurze
Zeit später schilderte mir sein Kollege den Ablauf. Der Schwarze hätte mich im
Wasser liegen sehen und gerufen, da unten liegt einer. So schnell hätte er
seinen Kollegen noch nie Badeshorts, Badeschlappen und weiße Bademeistermütze
ausziehen und ins Wasser springen sehen. An sich wäre das ja ganz witzig
gewesen, als er aber den Schrecken im Auge seines Kollegen gesehen hätte, wäre
ihm doch das Lachen vergangen. So etwas machen wir doch lieber nie wieder, sagte
er, und daran habe ich mich auch gehalten.
Obwohl
ich meinem Retter in der nächsten Zeit aus dem Weg ging, tat es mir doch sehr
leid, und ich bewunderte nur noch auf ewig seine Leistung, mich mit Badeshorts-,
Badeschlappen- und Weiße-Bademeistermütze-Ausziehen so schnell aus dem Wasser
geholt zu haben.
Dirk
Kranefuss
Juni 2002
10.07.02 21:24